Ian McGuire

Nordwasser

Roman
Cover: Nordwasser
Marebuchverlag, Hamburg 2018
ISBN 9783866482678
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Joachim Körber. Henry Drax kennt kein Gewissen. Er ist Harpunierer auf der Volunteer, einem Walfangschiff, das um 1860 von England Kurs auf die arktischen Gewässer der Baffinbucht nimmt. Ebenfalls an Bord ist Patrick Sumner, ein Arzt von zweifelhaftem Ruf, der glaubt, schon alles gesehen zu haben - nicht ahnend, dass seine größte Prüfung noch bevorsteht, nachdem er Drax einer ungeheuerlichen Tat überführt hat. Während sich der Konflikt zwischen den beiden Männern zuspitzt, wird auch der eigentliche Sinn der verhängnisvollen Expedition zunehmend klar ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.04.2018

Auf Geisterbahnfiguren und Effekthorror trifft Sylvia Staude in Ian McGuires Roman. Dass hier ein Autor aufs Ganze zielt, ist für Staude nicht das Problem. Nur die relative Flachheit und Ungenauigkeit, mit der der Autor seine blutstrotzende Geschichte um ein paar rauhe Männer auf einem Walfänger anlegt, scheint ihr schwierig. Zu viel Blut, zu wenig Sorgfalt, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2018

Rezensent Nicolas Freund fühlt sich mitgerissen von dieser, Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelten Mischung aus Kriminal- und Abenteuerroman, die Ian McGuire mit "Nordwasser" vorlegt: Ein betäubungsmittelsüchtiger Ex-Feldchirurg, der unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde, und ein Harpunier, der seiner Vorliebe für Alkohol und Jungs auf dem Schiff entgehen will, gehen auf Waljagd, wie Freund informiert, und werden zu Gegnern, als ein Schiffsjunge tot aufgefunden wird. Genauso, wie er die Sprache unnötiger Bilder entledige, suspendiere McGuire auch jegliche Metaebene, die dem geschichtsträchtigen Walfang-Sujet anhafte, befindet Freund. Zuletzt fragt sich der Rezensent trotz aller Spannung, die "Nordwasser" für ihn bietet, aber doch, wohin ein so offener Text eigentlich weist - und meint, in dem Motiv verzweifelter Menschen, die sich schicksalsergeben einschiffen, eine Flüchtlingsallegorie zu entdecken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2018

In Ian McGuires neuem Roman wird nichts verschwiegen, nichts verherrlicht und nichts ästhetisiert - Gewalt, Gestank, Grausamkeit und Tod werden in brutaler Detailliertheit, authentisch, anschaulich und ausführlich geschildert, doch gerade darin liegt die besondere literarische Ästhetik von "Nordwasser", versichert Rezensent Wolfgang Schneider. Zwischen sarkastischen, treffenden Dialogen und eiskalt, schön schimmernden Naturbeschreibungen manövriert McGuire seinen Roman und seine drei Hauptfiguren auf einem alten Walfangschiff durch das Eismeer, lesen wir, hin zum letzten Gefecht. Es ist ein Buch über Gewalt, ein Buch, das aus intertextuellen Bezügen besteht und seines Themas wegen bestehen muss, erklärt Schneider. Dennoch ist der Text am Ende ein ganz neues, "eigenes Gewässer", so der beeindruckte Rezensent. Sein Resümee: Ein "verteufelt gutes" Buch.
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