Tim Binding

Henry Seefahrer

Roman
Cover: Henry Seefahrer
Marebuchverlag, Hamburg 2005
ISBN 9783936384369
Gebunden, 608 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein. Weihnachten 1952 lösen sich die Londoner Straßen auf. Dichter, schier undurchdringlicher Nebel lastet auf der Stadt. In der Nähe des Piccadilly Circus klammert sich der sechsjährige Henry an seine Mutter, die plötzlich bemerkt, dass sie ihr Portemonnaie in einem Cafe vergessen hat. Sie eilt davon - und bleibt hinter der grauen Wand, die Henry umgibt, verschwunden. Henry wächst als Waise auf, ist Balljunge in Wimbledon, lernt Geige spielen und schlägt sich als Straßenmusikant durch, bis zufällig ein Offizier sein Talent entdeckt und ihn in die Kapelle der Royal Marines holt. Dann, dreißig Jahre nachdem Henry seine Mutter im Nebel verloren hat, bläst England zum Sturm auf eine kleine Inselgruppe am anderen Ende der Welt. Er geht an Bord der Canberra, eines ehemaligen Luxusliners, den die Royal Navy zum Truppentransporter umfunktioniert hat. Mit seiner Geige steht Henry an der Reling eines riesigen Schiffes, das unter Volldampf Kurs auf die Falkland-Inseln nimmt; Kurs auf eine Zukunft, die abermals dichter Nebel verhüllt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2005

"Alles hängt mit allem zusammen." Dies scheint laut Rezensent Maik Söhler die Kernaussage von Tim Bindings Geschichte um den jungen Henry zu sein. Henry, der als Kind im Nebel von seiner Mutter getrennt wurde und auch noch das Buch verlor, in dem seine Adresse (Anglefield Road) hineingeschrieben war, kehrt verstört aus dem Falklandkrieg zurück. Um ihn und um den Krieg, so der Rezensent weiter, rankt sich die aus der Perspektive verschiedener Anglefield-Road-Anwohner geschilderte Handlung. Dabei entwickle Binding die Anglefield Road selbst als eine Art "Mikrokosmos der britischen Gesellschaft" und der historischen Ereignisse. Doch muss der Rezensent feststellen: "Gute Entwicklungsromane funktionieren anders." Denn weil "alles mit allem zusammenhängt", werde es vom Autor eben so zurechtgezwungen. Das findet der Rezensent schade, denn gerade im Detail, wenn er nichts Größeres im Sinn hat, gelingen Binding schöne und auch komische Passagen. Doch seinen "Sinn füs Kleine" opfere er allzu oft "dem großen Zusammenhang" und falle letztendlich auch noch dem Pathos anheim. Nichts für ungut, meint der Rezensent versöhnlich, aber wenn alles mit allem zusammenhängt, dann müsste doch auch "Platz für alles" sein. Und es könnten sowohl Klein und Groß als auch Komik und Pathos nebeneinander bestehen.
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