Der zweite Teil der Goethe-Biographie von Nicholas Boyle. Die besondere Leistung dieser Biographie liegt darin, dass Goethes soziale und geistige Umwelt als Voraussetzung für seine literarische Tätigkeit erschlossen wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Mit überschwänglicher Begeisterung bespricht Jörg Drews den zweiten Teil von Boyles Goethe-Biographie. Ein "kribbeliges Behagen" habe ihn beim Lesen dieser Seiten begleitet, die offensichtlich selbst dem Goethe-Kenner Überraschungen bieten: Dazu gehörten vor allem Boyles Überlegungen, welche welche Probleme es Goethe bereitet habe, sich ein Zielpublikum vorzustellen, und welchen Einfluss diese Vorstellung auf die Art seiner Dichtungen gehabt habe. Ebenso überraschend erscheint Drews, welches Gewicht Boyle der philosophischen Lektüre Goethes beimisst, und er schliesst daraus, dass sowohl Goethes Dichtung wie auch seine naturwissenschaftlichen Aktivitäten demzufolge stärker unter diesem Aspekt betrachtet werden müssen. Dass Boyle sich häufig "unendlich apologetisch" gegenüber manchen Dichtungen zeigt, wertet Drews eher positiv: Er fühlt sich dadurch ermutigt, von nun an etwas mehr Geduld beim eigenen Lesen aufzubringen. Boyle beschreibe die Werke so plausibel, dass man "Herrmann mit Dorothea" durchaus "zwerchfellerschütternd und windschief" finden könne. Insgesamt hält der Rezensent die Balance zwischen Biographischem und Werkdeutung für gelungen, ebenso die Übersetzung von Holger Fliessbach.
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