Mehr als 60 Jahre misst die Zeitspanne, innerhalb derer Goethes dramatisches Werk entstanden ist. Dieses zeigt sich in einer erstaunlichen Vielgestaltigkeit von der rasch hingeworfenen Improvisation, die auf ihre Weise Zeugnis ablegt für die Produktivität der literarischen Phantasie, bis zu den sorgfältig durchgearbeiteten Werken wie der "Iphigenie", dem "Tasso" und dem "Faust", die erst nach Jahren oder Jahrzehnten vollendet werden konnten. Hartmut Reinhardt möchte zu einem Überblick über Goethes gesamtes dramatisches Schaffen verhelfen. Neben den bis ins Einzelne diskutierten "Hauptwerken" versucht er die Erinnerung an Theatertexte aufzufrischen, die - wie die Beiträge zur Weimarer Liebhaberbühne oder zu den Maskenzügen - charakteristische Züge zu Goethes Autorenprofil beisteuern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2009
Das ist souverän, das ist fesselnd. Von Hartmut Reinhardt lässt sich Michael Jaeger gern einmal den ganzen dramatischen Goethe aus "musterhaft geschichtsbewusstem" Blickwinkel vorführen. Zumal das Weitwinkelobjektiv des Verfassers gut geputzt ist. Neben den Hauptwerken erfasst es laut Jaeger auch die vielfältigen Gelegenheitsarbeiten, Jugenddramen, Schäferdichtungen, Miniaturen und sogar jene nur noch aus Briefen rekonstruierbaren Texte. Dass dazu eigentlich alles schon gesagt und geschrieben ist, weiß Jaeger auch. Allerdings liest es sich für ihn neu, insofern, als der Autor es als "literarischen Kommentar" nicht der "Goethezeit", sondern einer Krisenepoche Europas präsentiert. Die dem Rezensenten so aufgehende philosophische Substanz von Goethes Dichtung, sein "therapeutisches Anliegen", das ist neu.
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