Nazim Hikmet

Die Romantiker

Roman
Cover: Die Romantiker
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518224366
Kartoniert, 280 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Hanne Egghardt. Mit einem Nachwort von Peter Bichsel. In einer Hütte in Anatolien wartet 1924 der von einem tollwütigen Hund gebissene Nazim Hikmet die Inkubationszeit ab. Treten die im Lehrbuch beschriebenen Symptome auf? Zu den Ärzten will er nicht. Sie könnten ihn, den kommunistischen Aktivisten, verraten. In diesen vier Wochen erinnert sich der erst Zweiundzwanzigjährige an das, was er während seiner politischen Arbeit in Rußland und in der Türkei erlebt hat - und besonders an die geliebte Anuschka. Da Hikmet "Die Romantiker" aber erst 1962, ein Jahr vor seinem Tod, zu Ende geschrieben hat, wird mit der Geschichte des jungen auch die des alten Hikmet sichtbar, der weiterführt, ergänzt und korrigiert, was 1924 von seinem Leben zu erzählen war.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2009

Dieses Buch liest Andreas Dorschel als große zwischen Dichtung und Wahrheit changierende autobiografische Studie über die Angst und den Umgang mit ihr. Mehr als Nazim Hikmets Roman scheint Dorschel allerdings Peter Bichsels Nachwort der Neuausgabe bei Suhrkamp zu beschäftigen. Rund 20 Jahre hat es auf dem Buckel, und Dorschel hat es schon damals nicht eben informativ gefunden. Wo Bichsel über den "kühnen" Text und die darin verhandelten Themen zur Türkischen Revolution Vermutungen anstellt oder gar Verdächtigungen, meint Dorschel säuerlich, hätte eine Aktualisierung dem Leser Wissen schenken können.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2009

Börte Sagaster freut sich nachdrücklich, dass einer der bekanntesten türkischen Lyriker und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, Nazim Hikmet, nun mit zwei Büchern auf Deutsch neu zu entdecken ist. Der autobiografische Roman "Die Romantiker" führt der Rezensentin den Autor eindrücklich als sensiblen und "engagierten" Autor "von Weltliteratur" vor Augen. Er handelt vom Kommunisten Ahmed und schreitet kaum verschlüsselt drei wichtige Lebensstationen Hikmets ab - seine Zeit in Moskau, die Inhaftierung in der Türkei und das Leben untergetaucht und vor der Polizei auf der Flucht -, erklärt Sagaster. Während sie sich vom Roman durchaus sehr eingenommen zeigt, kritisiert sie die Übersetzung als etwas "hölzern" und hätte sich zudem ein Lektorat gewünscht, das die Fehler bei der Übersetzung von topografischen Angaben korrigiert hätte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.10.2008

Als Jahrhundertbuch feiert Rezensent Stefan Weidner diesen späten autobiografischen Roman von Nazim Hikmet, der jetzt wieder aufgelegt worden ist. Nicht nur, dass er der Lyrik dieses Autors an Dichte in Nichts nachsteht. Er führt den Rezensenten auch ins dunkle Herz des 20. Jahrhunderts, erzählt von Folter, politischer Verfolgung und Hunger und erinnert den Rezensenten manchmal an Walter Benjamins "Moskauer Tagebuch". Weidner zufolge spielt der Roman an drei Orten, Zeiten und Lebensphasen. Der Erzähler sitzt in einem Moskauer Gefängnis, weshalb die Kapitelzählung identisch mit den Strichen ist, die er an die Zellenwände malt. Es ist das Moskau nach Lenins Tod. Aber auch in die von Atatürk in die Moderne geschleuderte Türkei gelange der Protagonist, der Weidner zufolge ein nur sparsam verdeckt operierendes Alter Ego des Dichters ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.10.2008

Martin Lüdke zeigt sich tief beeindruckt vom Werk des türkischen Dichters und Schriftstellers Nazim Hikmet. In einem Porträt über den 1963 verstorbenen Kommunisten erwähnt Lüdke mit einigen Sätzen seine Gedichte, die nun in einem Band neu aufgelegt werden: diese zeugen "besonders eindrucksvoll" von Hikmets unerschütterlichem Glauben an die Liebe und Hoffnung, stellt Lüdke fest. Dann widmet sich Lüdke dem Roman "Die Romantiker", der ihn in seiner Allweltlichkeit und emotionalen Intensivität sehr berührt hat. Darin gehe es fragmentarisch um verschiedene Lebensabschnitte der zwei Protagonisten Ahmet und Ismail: ihre Ankunft in Izmir, ihre Studienjahre in Moskau und später ihre Zeit im Gefängnis oder einer metaphorischen Gefangenschaft. Alles spielt sich zwischen den 20er und 30er Jahren ab, kurz nach der Russischen Revolution, die auch in der Türkei eine große Aufbruchstimmung bewirkte. Der Roman, so Lüdke, "handelt von Gott und der Welt und oft von allem zugleich", und ist Ausdruck von Hikmets "radikaler Modernität". Man könne das Buch als Abbild des persönlichen Schicksals Hikmets sehen, meint Lüdke. In jedem Falle lohne sich ein erneuter Blick auf diesen schon 1988 in Deutschland veröffentlichten Roman, da er sehr zeitlos sei, meint Lüdke.
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