Najem Wali

Die Reise nach Tell al-Lahm

Roman
Cover: Die Reise nach Tell al-Lahm
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446205383
Gebunden, 319 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien. Als Najem von der kuwaitischen Front nach Hause zurückkehrt, empfängt ihn seine Nachbarin mit der Nachricht, seine Frau sei mit ihrem Mann durchgebrannt. Sie verführt ihn zu einer gemeinsamen Reise quer durch den Irak bis in die geisterhafte Stadt Tell al-Lahm. Der irakische Schriftsteller Najem Wali enthüllt auf dem Weg dorthin nach und nach die Lebens- und Liebesgeschichten seiner Figuren und zeigt uns ein von der Diktatur und zwei Kriegen gezeichnetes Land.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2005

Der eine oder andere Leser wird bei der Lektüre von Najem Walis Roman über das Leben unter der Saddam-Diktatur wohl im "Treibsand" irakischer Weiten "stecken bleiben", fürchtet Rezensentin Angela Schader. Wali schildert etwas "bildarm" und mitunter in einem von zuviel "Reflexion gebremsten" Stil die Gepflogenheiten der irakischen Bevölkerung zwischen dem Kriegsbeginn gegen Iran und dem Ende des ersten Golfkriegs. Obwohl der Autor "markant" für die Sache der Frau eintreten wolle - im Mittelpunkt stehen Ehen und Partnerschaften, geprägt von Missachtung und Promiskuität derselben - so dürfte das Buch doch angesichts der vielen Klischees dem weiblichem Publikum "sauer" aufstoßen, meint die Rezensentin. Auch politische Satire und "atmosphärische Schilderungen" des zerrütteten Landes kommen in Walis Buch zu kurz. Dafür tauchen hin und wieder "Widersprüche und Unstimmigkeiten auf, und die sprunghafte Chronologie mache es dem Laien schwer, die Geschichte nachzuvollziehen. Alles in allem ein Roman, der bei "aller Sinnlichkeit" der Thematik eher wie ein "Schattenspiel" daherkommt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2004

Der Rezensent Daniel Bax warnt, dass dieser Roman über den Irak nicht unbedingt als "Gebrauchsanweisung" zum Verständnis der heutigen Situation des Landes taugt - auch wenn das Buch offensichtlich genug realistische Momente und "derbe Seitenhiebe auf eine hochtrabende Moral" enthält, dass es gleich nach Veröffentlichung in etlichen arabischen Ländern auf dem Index gelandet ist. Doch trotzdem scheint er Erkenntnisgewinn aus dieser Erzählung zu ziehen, bei der nicht nur die "seltsamen Lebensgeschichten der Protagonisten" vor dem Leser ausgebreitet werden, sondern eben auch "die bizarre Geschichte eines gebeutelten Landes". Den Erzählstil Najem Walis, der als Autor und Journalist in Deutschland lebt, findet Bax "märchenhaft und burlesk", doch "politische Anspielungen" stecken trotzdem reichlich in dem Roman.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Der irakische Schriftsteller Najem Wali hat in seinem Roman "Die Reise nach Tell al-Lahm", der in der Zeit der Herrschaft Saddam Husseins spielt, trotz der ernsten historischen Lage vor allem ziemlich "groteske" Episoden versammelt, die mitunter so "phantastisch" anmuten, wie die Märchen aus "Tausendundeiner Nacht" findet Christine Dössel. Hauptfiguren sind der Erzähler Najem, gerade aus dem Krieg gegen Kuwait zurückgekehrt, und seine schöne Nachbarin Ma'ali, die mit ihm in einem gestohlenen Mercedes ihren jeweiligen Ehepartnern nachjagen, die zusammen durchgebrannt sind, erklärt die Rezensentin. "Geschichte um Geschichte" wird detailgetreu ausgebreitet und damit ein "geradezu groteskes Bild der arabischen Welt" geboten, in dem zwar "Kriegsgräuel" völlig ausgespart werden, das dafür aber bei "sexuellen Dingen" recht explizit wird, so die Rezensentin. Hier beginnt ihre Geduld auch zu schwinden, denn sie findet die Perspektive des Erzählers insgesamt doch viel zu "klischeetriefend" und zu "milieugerecht", als dass sie auf Dauer zu überzeugen vermag. Insbesondere die weiblichen Figuren, die in dem Roman auftreten, "ob Hure, weise Alte oder geheimnisvolle Ehefrau", sind Dössel viel zu schablonenhaft. Insgesamt scheint ihr dieser Roman dem "erzählerischen Schwulst" zum Opfer gefallen zu sein.
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