Sinan Antoon

Irakische Rhapsodie

Roman
Cover: Irakische Rhapsodie
Lenos Verlag, Basel 2009
ISBN 9783857874024
Gebunden, 133 Seiten, 17,50 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich in Zusammenarbeit mit Jinan Fierz. Mit einem Nachwort von Hartmut Fähndrich. In der Direktion der Staatssicherheit wird ein Manuskript gefunden, das ein Gefängnisinsasse in einer schwer entzifferbaren Schrift verfasst hat. Ein Parteigenosse erhält den Auftrag, den verdächtigen Text lesbar zu machen. Lange hat Furat, der Verfasser des Manuskripts, Anglistikstudent und angehender Schriftsteller, gezögert, bevor er die weißen Blätter, die ihm ein Mitinsasse heimlich zugesteckt hatte, zu füllen begann. Ein gefährliches Unterfangen. Das Land befindet sich im Krieg, das totalitäre Regime, an dessen Spitze der "Größte Führer aller Zeiten" steht, duldet keinerlei Abweichung. Im Gefängnis ist Furat Folter und Demütigungen ausgesetzt. Die weißen Blätter geben ihm ein Stück Freiheit zurück. In faszinierendem Wechsel zwischen Erinnerung und Gegenwart, Reflexion, Angst- und Wunschträumen schildert der junge Mann das Leben der Studenten mit seinen abstrusen Verordnungen und Verboten, der permanenten Überwachung und Indoktrination durch die "baathistische Absurditätspartei", den aufgezwungenen Massenveranstaltungen, aber auch die glücklichen Momente mit seiner Geliebten Aridsch und seiner Großmutter - zwei nicht konformen Frauen, die ganz entscheidend zu seinem Durchhalten beitragen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2010

Sinan Antoons "Irakische Rhapsodie", spielt zur Zeit des ersten Golfkriegs, bei der ein namenloser Anglistikstudent wegen regimefeindlicher Äußerungen verhaftet wird, lässt ein beeindruckter und beklommener Kersten Knipp wissen. Ihn hat die zynische Nüchternheit und Detailtreue dieses Romans sehr gefesselt. Der 1967 geborene Autor, der seit 1991 in Amerika lebt, zeigt hier gnadenlos, dass für "Poesie, Romantik, sensible Empfindungen" in der brutalen Diktatur Saddam Husseins kein Platz war. Und wenn das vorliegende Buch am Ende als von den Aufsehern entdecktes Geheimmanuskript des Protagonisten demaskiert wird, wird dem Leser klar, dass auch in der Literatur keine Rettung liegt - wenigstens nicht für den unglücklichen Inhaftierten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2009

Höchst interessiert hat Rezensentin Angela Schader diesen Roman des 1967 geborenen Exilirakers gelesen, der die Geschichte eines irakischen Anglistikstudenten erzählt, der unter Saddam Hussein von einem Tag auf den anderen in Haft der Staatssicherheit gerät, wo er immer wieder vergewaltigt wird. Als Qualität des Romans empfindet die Rezensentin, dass Sinan Antoon dennoch die physische Brutalität des Regimes, abgesehen von einer Vergewaltigungsszene, praktisch ausgeblendet, und stattdessen "die psychischen Deformationen", die das irakische Volk unter dem Regime Saddams erlitten habe, mit "bitterem Witz und in erinnerungswürdigen Szenen" beschwört. Antoon wechsele dabei geschickt von der Hoch- in die Umgangssprache, was von der Überrsetzung ebenso geschickt ins Deutsche transportiert werde.
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