Mohamedou Ould Slahi

Das Guantanamo-Tagebuch

Cover: Das Guantanamo-Tagebuch
Tropen Verlag, Stuttgart 2015
ISBN 9783608503302
Gebunden, 459 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Held. Schlafentzug, Dauerlärm, Todesdrohung: Mohamedou Slahis Geständnis wurde unter Folter erpresst: Er ist einer der Hauptverdächtigen des 11. Septembers. Obwohl ein Gericht seine Freilassung angeordnet hat, bleibt er bis heute inhaftiert. Sein ergreifender Bericht ist die bisher einzige bekannte Chronik eines Guantanamo-Gefangenen, die in der Haft verfasst wurde. Slahis Gefangenschaft dokumentiert fast ein ganzes Jahrzehnt des Kampfes gegen den weltweiten Terrorismus. Donald Rumsfeld mit der Akte "Slahi" vertraut autorisierte die Behörden, den mutmaßlichen Al-Qaida-Verschwörer intensiven Verhören zu unterziehen und nahm dabei auch Folterungen in Kauf. Im Jahr 2005 begann Slahi seine Geschichte zu erzählen. Emotional und zugleich um Fairness bemüht, berichtet er von seinen Entführungen durch die Geheimdienste, den Folterungen und den Begegnungen mit seinen Peinigern, aber auch mit Menschen, die sich ihm zuwandten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.02.2015

Zu einem eindeutigen Urteil mag sich Rezensentin Sonja Vogel nach der Lektüre von Mohamedou Ould Slahis "Guantanamo-Tagebuch" nicht durchringen - und dies aus verschiedenen Gründen: In dem zwischen Sommer und Herbst 2005 entstandenen, erst jetzt zur Veröffentlichung freigegebenen Buch liest die Kritikerin den äußerst erschütternden Bericht des immer noch inhaftierten Slahi, der hier seine Folter-Erlebnisse - sexuelle Belästigung, Dauerbeschallung oder Schlafentzug - sein fiktives Geständnis, seine daraufhin wachsende Nähe zu den Beamten von FBI, CIA und BND und die Grausamkeit der Isolation schildert. Dem Lob als "authentisches Dokument" kann sich die Kritikerin allerdings nicht anschließen, zu viele Stellen - ganze 2500 - seien geschwärzt, zu viele Fußnoten gesetzt worden, die Übersetzung habe ihr Übriges getan, berichtet die Kritikerin, die hier vielmehr ein literarisches Werk gelesen hat. Mit gemischten Gefühlen betrachtet Vogel auch die literarische Qualität des Buches: Starke, an Jean Amery erinnernde Stellen begegnen ihr hier ebenso wie "unangenehm überhebliche" oder kalkuliert naive Passagen. Nicht zuletzt wird der Rezensentin bei aller während der Lektüre aufgebauten Nähe zu Slahi doch etwas mulmig, wenn sie die vielen Ungereimtheiten und Verschleierungen über seine Nähe zu Al-Quaida bemerkt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2015

Angela Schader bedauert, dass entscheidende Stellen in diesem Text von der Zensur geschwärzt wurden. Mohamedou Ould Slahis Bericht aus dem Herz der Folter sei zwar kein Tagebuch, sondern ein nachträglich, nämlich 2005 vom Autor verfasster Text, die Dialoge darin seien nicht wortgetreu, allerdings scheint Schader ihre Authentizität im Wesentlichen glaubhaft. Dafür sorgen auch die Ergänzungen und Anmerkungen des leitenden PEN American Center Mitarbeiters Larry Siems, die Schader für besonders bedeutsam hält, da sie auf mittlerweile einsehbaren amtlichen Dokumenten basieren. Der Blick von innen auf Guantanamo, wie ihn der Text gewährt, berührt die Rezensentin und bewirkt bei ihr zugleich die Frage, ob der Autor hier und da eventuell "zurückhaltender" ist, als den Fakten gemäß wäre, etwa, wenn es um seine Kontakte in die Jihadistenszene geht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.01.2015

Der Bericht Mohamedou Ould Slahis, des Guantánamo-Häftlings Nummer Siebenhundertsechzig, konnte erst nach ausführlichen Streichungen der US-Behörden veröffentlicht werden, berichtet Alexander Cammann, dem präzisen Kommentar des Herausgebers Larry Siems gelingt es allerdings, zahlreiche Dunkelstellen wieder aufzuhellen, lobt der Rezensent. Die Brisanz des "Guantánamo-Tagebuchs" sollte trotz der Streichungen jedenfalls nicht unterschätzt werden, so Cammann, handelt es sich doch um "Lagerliteratur aus dem Mutterland der Demokratie".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2015

Rezensent Hannes Hintermeier räumt ein, dass er nicht alles glauben mag, was Mohamedou Ould Slahi in diesen Aufzeichnungen berichtet, zumindest wenn es um seine Verbindungen zu al Qaida geht. Mitunter geht ihm auch Slahis Überheblichkeit auf die Nerven. Aber Hintermeier stellt auch klar, dass diese Vorbehalte nur gering wiegen im Vergleich zu dem, was Slahi über seine Gefangenschaft in Guantanamo schreibt, wo er seit dreizehn Jahren widerrechtlich festgehalten wird. Die Vorwürfe gegen ihn sind nicht aus der Luft gegriffen, aber gleichwohl vage und unbewiesen, konstatiert Hintermeier. Slahi bekomme keinen Prozess, nur immer wieder neue Verhöre, Demütigungen, Erniedrigungen: "Untaten" schreibt Hintermeier. Das 2005 entstandene Manuskript wurde übrigens von der Militärzensur erst nach langen Kämpfen freigegeben, informiert der Rezensent, vieles wurde geschwärzt, so dass der Zensor als Autor ebenso präsent sei wie auch der Herausgeber, der Menschenrechtsaktivist Larry Siems.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.01.2015

Ausrufezeichen um Aufrufezeichen im Kopf des Rezensenten. Arno Widmann spürt beim Lesen von Mohamedou Ould Slahis Bericht aus Guantanamo, wie die Wut in ihm aufsteigt, Wut aufgrund von Hilflosigkeit, Hilflosigkeit aufgrund von schreiender Ungerechtigkeit. Allerdings nicht beim Autor, der schreibt ruhig, klar, genau und ohne Bitterkeit und Kälte, staunt Widmann. Worüber? Über Verhöre und Schlafentzug und wieder Verhöre, 24 Stunden lang, weil er angeblich zum Millennium-Plot gehörte. Hat er aber nicht, sagt der Autor. Beweise gibt es keine. Der Rezensent hält es nicht aus.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.01.2015

Tief bewegt ist Rezensent Uwe Schmitt vom Tagebuch des Guantanamohäftlings Mohamedou Ould Slahi, der seit 2002 in dem CIA-Gefängnis in Kuba sitzt. Slahi beschreibt die Foltermethoden - von Donald Rumsfeld persönlich abgesegnet, wie der Rezensent anmerkt - "Isolation, seelische, körperliche und sexuelle Erniedrigung, Schlafentzug und Unterkühlung, Schläge, Drohungen gegen seine Familie", das Gefühl des vollkommenen Ausgeliefertseins und die hilflos anmutenden Schutzversuche des Geistes der Gefolterten. Es gibt nicht die geringsten Beweise für eine Beteiligung Slahis an einem Terrorakt, so Schmitt, der Trost bei Beethovens "Fidelio" sucht.