Das für Taliban- und Al Qaida-Kämpfer eingerichtete Gefangenenlager auf Kuba ist zum Inbegriff staatlicher Willkür, zum Zeichen von Unterdrückung, vollkommener Rechtlosigkeit und Folter geworden. Der deutsch-englische Dokumentarfilmer James Pastouna erhielt nach schwierigen Verhandlungen die Erlaubnis, auf Guantanmo Interviews zu führen. Er sprach u.a. mit dem Seelsorger für die muslimischen Gefangenen, der kurz danach verhaftet wurde, berichtet über die Realität dort: Hitze, Gefangenschaft in Käfigen, Rechtlosigkeit.
Regelrecht verstört hat dieses Buch den Rezensenten Rudolf Walther zurückgelassen. Der in Köln lebende britische Dokumentarfilmer James Pastouna bereitet darin seine Recherchen zu einer WDR-Dokumentation auf, für die er die Geschichte dreier Häftlinge rekonstruiert hat. Der afghanische Taxifahrer Sayed Abassim, der Brite Moazzem Begg und der Deutsch-Türke Murat Kurnaz aus Bremen waren laut Pastounas grundlos in Guantanamo Bay inhaftiert worden, dort zum Teil monatelang unter verschärften Bedingungen verhört sowie körperlich und psychisch erniedrigt worden. Walther betont, dass sich Pastouna nie zu übertriebenen Darstellungen oder schiefen Vergleichen (etwa mit dem Gulag) hinreißen lässt. So lobt der Rezensent die "sorgfältige Recherche" und die präzise Schilderung eines "rechtsfreien Raums, in dem ein hartes Regime von Bevormundung und Erniedrigung herrscht".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2005
Wilfried von Bredow nutzt seine Rezension des vom Dokumentarfilmer James Pastouna verfassten "Guantanamo Bay" zu einem Plädoyer für einen rechtsstaatlichen Umgang mit den amerikanischen Terror-Gefangenen. Weitaus nicht bei allen auf Guantanamo Bay Inhaftierten, diesen Eindruck hat das Buch bei Bredow erzeugt, steht fest, ob und wieweit sie tatsächlich in terroristische Machenschaften verwickelt sind. Pastouna hat mit einigen Freigelassenen gesprochen. Inwieweit nun aber eine Unschuldsvermutung angemessen wäre, wagt der Rezensent nicht zu entscheiden. Doch Zweifel haben die Interviews bei ihm gesät. Und das, so die Meinung von Bredows, genügt im Rechtsstaat. In dubio pro reo. Mit einem anderen Verfahren schadeten die USA sich und ihrer Sache, dem Krieg gegen den Terror, eher.
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