Eigentlich will Issa diese Reise gar nicht antreten. Schwanger sitzt sie im Flugzeug nach Douala, angetrieben von ihrer Mutter, die bei der bevorstehenden Geburt um das Leben ihrer Tochter fürchtet. In Kamerun, dem Land ihrer Kindheit, soll sie den heilsamen Weg der Rituale gehen, unter den Adleraugen ihrer Omas. Doch so einfach ist das alles gar nicht, wenn man in Frankfurt zu Schwarz und in Buea zu deutsch ist. Der Besuch wird für Issa eine Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte und der Gewissheit, dass sowohl Traumata als auch der unbedingte Liebes- und Lebenswille vererbbar sind. Mirrianne Mahn verwebt die Schicksale von fünf Frauen miteinander, deren Leben mehr als ein Jahrhundert auseinanderliegen und doch über die Linien koloniale Ausbeutung und Streben nach Selbstbestimmung verbunden sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2024
Mirrianne Mahns Buch "Issa" ist ein ungewöhnlicher Familienroman, findet Rezensentin Elena Witzeck. Mahn erzählt hier so schonungslos wie humorvoll von der Reise einer jungen deutschen Frau ins Heimatland ihrer Mutter, nach Kamerun. Dort soll sie sich anlässlich ihrer Schwangerschaft einigen auf ihre Ahnen zurückgehenden Ritualen unterziehen. Im Laufe des Romans treten die Biografien ihrer weiblichen Vorfahren, die von der weißen Kolonialherrschaft und dem damit einhergehenden Unrecht sowie von patriarchaler Gewalt, aber laut Witzeck auch von Selbstbehauptung und Durchhaltevermögen geprägt sind, in den Vordergrund. Dass Issa gänzlich deutsch geprägt ist, ermöglicht es der Autorin, die Frage zu stellen, was ,Deutschsein' heißt, und zugleich zu thematisieren, dass Schwarzsein nicht zwingend die Zugehörigkeit zu einer afrikanischen Gemeinschaft impliziert, erkennt die Kritikerin. Mit ihrer empathischen, unaufgeregten Erzählweise gelingt es der Autorin diese Ambivalenzen dazustellen, anstatt in Klischees und exotisierenden Kitsch zu verfallen, lobt Witzeck.
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