Melara Mvogdobo

Großmütter

Roman
Cover: Großmütter
Transit Buchverlag, Berlin 2025
ISBN 9783887474164
Gebunden, 128 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Dieser Roman handelt von zwei Großmüttern, die eine aus einer armen Schweizer Bauernfamilie, die andere aus einer relativ wohlhabenden Familie in Kamerun. Es geht um deren Kindheit, Hoffnungen und Enttäuschungen. Sie heiraten, werden gedemütigt und entwürdigt. Aber durch diese Erfahrungen staut sich eine gewaltige Wut auf, die schließlich, auch mit Hilfe der jeweiligen Enkeltöchter, zu ihrer Befreiung führt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2025

Melara Mvogdobo erzählt in ihrem Roman die Geschichte zweier Frauen, die trotz unterschiedlicher Ausgangslagen "spiegelbildliche" Leben führen: Sie sind beide um 1940 geboren, beide namenlos, eine ist eine arme Schweizerin, die andere kommt aus einer reichen Familie in Kamerun, schildert Rezensent Roman Bucheli. Die Kamerunerin erhält zwar vor der Schweizerin das Wahlrecht, erlebt aber ebenso wie sie die große Ernüchterung nach ihrer Heirat, beide erleben Gewalt, lesen wir. Erst die Enkelinnengeneration könne diese Muster durchbrechen. Für Bucheli liest sich das ein wenig programmatisch, auch wenn Mvogdobo durchaus mit Witz glänzt. Manches kommt hier leider ein bisschen "betulich" rüber. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.06.2025

Gut gefällt Rezensentin Judith von Sternburg Melara Mvogdobos Roman über zwei Großmütter: Die eine ist in der Schweiz aufgewachsen, die andere in Kamerun, verbunden sind sie über eine gemeinsame Enkelin und es ist zunächst nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, da Mvogdobo nicht allzu viel erklärt. Die Kameruner Geschichte ist rot, die der Schweiz in schwarz geschrieben, der Schriftsatz erinnert von Sternburg an Lyrik, wobei es sich durchaus um Prosa handelt, und zwar um eine Form von Prosa, die auch gut fürs Theater adaptiert werden könnte. Die Unterschiede und Ähnlichkeiten im Leben der beiden Frauen ergeben für Sternbuch ein spannendes Panorama. Die wächst auf einem Schweizer Bauernhof in prekären Verhältnissen auf , während die andere in eine wohlhabende kamerunische Familie hineingeboren wird. Sexismus erleiden sie beide, erfahren wir, ("Ich glühe innerlich vor Zorn") heißt es da einmal),vom gesellschaftlichen Fortschritt, den es durchaus gibt, profitieren sie wenig, beide werden von Männern geschlagen, die kamerunische Frau soll sich mit Polygamie abfinden, die Schweizerin wird gewarnt, Männern keine Avancen zu machen. Geschickt gelingt es diesem Buch laut Rezensentin, auf wenig Raum eine dramatische Handlung zu entfalten, die gleichzeitig den Figuren gerecht wird.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.06.2025

Rezensentin Stephanie von Oppen freut sich über das literarische Denkmal, das die kamerunisch-schweizerische Autorin Melara Mvogdobo (nicht nur ihren eigenen) Großmüttern setzt: Zwei Großmütter erzählen der Enkelin, die deutlich als die Autorin zu identifizieren ist, wie es ist, als Arme in der Schweiz, beziehungsweise als Reiche in Kamerun aufzuwachsen. Beide erleben das Patriarchat in voller Härte, die Schweizerin darf nur bis zum Alter von elf Jahren zur Schule gehen und schlittert in eine unglückliche Ehe, die Kamerunerin darf zwar Abitur machen, sitzt aber anschließend ebenfalls im "goldenen Käfig" einer arrangierten Ehe, erfahren wir. Oppen lobt die Einfühlsamkeit, mit der Mvogdobo von den Großmüttern spricht, ihre Eigensinnigkeit und ihren Kampf, wenigstens für die Kinder ein besseres Leben zu ermöglichen, mitunter auch reichlich lakonisch. Ein Buch, das im konzentrierten Rahmen schwierige Themen wie transgenerationale Traumata, Klasse und Geschlecht sehr literarisch zu verhandeln vermag, schließt die angetane Kritikerin.

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