Miklos Vamos

Buch der Väter

Roman
Cover: Buch der Väter
btb bei Goldmann, München 2004
ISBN 9783442751181
Gebunden, 512 Seiten, 23,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Ernö Zeltner. Eine monumentale Familiensaga: "Buch der Väter" ist eine vielschichtige Reise durch 300 Jahre Raum und Zeit, ungarische Geschichte und schicksalhafte menschliche Begegnungen. Miklos Vamos erzählt darin das Leben von zwölf aufeinander folgenden Generationen - jeweils durch die Augen der erstgeborenen Söhne betrachtet. Sie alle verfügen über die phantastische Fähigkeit, in die ferne Vergangenheit wie auch in die eigene Zukunft zu schauen. Stammvater des Geschlechts ist Cornelius Csillag, der im Jahre 1705 noch als Kind aus Bayern in die ungarische Heimat zurückkehrt.
Das verbindende Scharnier zwischen den Generationen ist das fast rituell geführte Familientagebuch, in dem die wichtigsten Ereignisse des Lebens, aber auch persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse von philosophischer Tragweite festgehalten und weitergegeben werden. Obwohl die Schreiber der Chronik über die Sehergabe verfügen, sind sie doch immer wieder ungeschützt den Stürmen des Lebens ausgesetzt. Sie können nicht verhindern, dass sie folgenschwere Fehlentscheidungen treffen, und auf die politischen Wirren im kriegsgebeutelten Ungarn haben sie erst recht keinen Einfluss.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2005

Zufrieden zeigt sich Thomas Meissner mit diesem Familienepos des ungarischen Schriftstellers Miklos Vamos, das in Ungarn ein veritabler Bestseller war. Als Vergleich zieht er Peter Esterhazys vielgerühmten Roman "Harmonia Caelestis" heran. Hier wie dort erkennt Meissner eine intensive Zuwendung zur Geschichte Ungarns. So durchlaufe Vamos vom achtzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart drei Jahrhunderte ungarischer Geschichte, ein "weites Panorama ungarischer Orte" und ein "breites Spektrum sozialer Schichten und Berufe": vom Stallburschen bis zum Glashüttenbesitzer, vom Glücksspieler bis zum glamourösen Sänger, vom Zwangsarbeiter bis zum Immobilienmakler. Im Unterschied zu Esterhazy aber, der in ein Geschichtspanorama von "verwirrender Fülle" entfalte, erzähle Vamos die Geschichte der Familie Csillag über zwölf Generationen streng chronologisch in zwölf Kapiteln. Verglichen mit "Harmonia Caelestis" wertet Meissner Vamos' "Buch der Väter" als "leicht lesbar", stuft es aber zugleich als "literarisch konventionell" ein. Auch wenn nicht alle Kapitel den gleichen Reiz entfalteten, so das Resümee des Rezensenten, biete der Roman nicht nur dem historisch Interessierten "sattsam Stoff zum Schmökern".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

Einem Roman ein Nachwort zu verpassen, behauptet Adam Olschewski, hat immer etwas Zweifelhaftes, lege es doch den Lesern nahe, da wären Erklärungen nötig, weil der Autor es nicht geschafft habe, seinen Stoff richtig zu vermitteln. Oder aber die Phantasie des Lesers werde gekränkt, wenn dieser sich die Lücken der Handlung schon selber und viel schöner ausgemalt hat. Das "Buch der Väter" erfährt auch durch das Nachwort nicht die richtige Aufwertung, meint Olschweski, obwohl der Roman in Ungarn ein Bestseller war. Das "Buch der Väter" ist, der Titel legt es nahe, eine Familiensaga, die einen magyarisch-deutsch-jüdischen Stammbaum, also das typische ungarische Gemisch, in zwölf Kapiteln abarbeitet, die jeweils einem (männlichen) Repräsentanten gewidmet sind. Es wird viel gestorben, gewaltsam meist, berichtet Olschewski, und es werden en passant viele Nachfahren gezeugt, die allesamt interessante und höchst verschiedene Berufe ergreifen, womit der Autor wohl Abwechselung in sein Erzählschema bringen wollte, vermutet Olschewski. Obwohl sich das "Buch der Väter" wie eine Saga geriere, fehlt ihm der lange Atem des Epos, bemängelt der Rezensent, fehlt ihm die Muße, seinen Figuren wirklich zu folgen und sie nicht bloß hastig abzuhandeln. Alles in allem geschickt gestrickte Unterhaltungsliteratur vor ungarischem Hintergrund, der als solcher ziemlich austauschbar ist, resümiert der enttäuschte Rezensent.
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