Aus dem Englischen von Gerhard Beckmann. Die sanfte, schöne Anna, deren Familie zu den englischen Zuckerbaronen gehört, hat sich in den jüdischen Architekten Oscar Kahn verliebt, in seine leicht getönte Haut, seinen Lockenkopf, seine hübsche, gebogene Nase - alles Züge, die er seiner holländischen Großmutter Katryn verdankt. Dass diese Großmutter allerdings das einzige "weiße" Element in Oscars Stammbaum ist, kann Anna nicht wissen; auch nicht, dass Katryn damals aus Liebe ihre Familie, ihre Rasse und ihren christlichen Glauben hinter sich ließ, und dass aus dem Burenmädchen die Muslimin Ouma Kulsum wurde. Und genauso wenig weiß Anna, dass auch ihr Mann eine solche Grenze überschritten hat, allerdings in umgekehrter Richtung ... Achmat Dangors Familiensaga aus Südafrika spielt in einer Zeit von Veränderungen, Identitätsproblemen und Metamorphosen: der Zeit nach der Apartheid.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2001
Angela Schader ist ein wenig enttäuscht: Hinter dem auf den ersten Blick viel versprechenden Werk des südafrikanischen Autors verbirgt sich dann doch kein Meisterwerk. Erst einmal wirkt alles recht komplex: es gibt Anspielungen auf Kafka und Dostojewski, Ton und Stil erinnern an Salman Rushdie und die Apartheid wird mit einem "indischstämmigen Muslimen" als Helden interessant reflektiert. Dieser Held wird - hier spielt ein indischer Mythos ebenso eine Rolle wie Kafkas "Verwandlung" - liebesunglücklich zum Baum und das ist wohl das Hauptproblem des Buches. Von da an nämlich verliert sich "Kafkas Fluch" in "lose ineinander greifende Episoden", die ganze schöne Komplexität ist dann, bedauert die Rezensentin, bald perdu. Alles in allem also: "eine bunte, bewegte Oberfläche", hinter der nicht viel steckt.
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