Mariolina Venezia

Tausend Jahre, die ich hier bin

Roman
Cover: Tausend Jahre, die ich hier bin
Piper Verlag, München 2008
ISBN 9783492051118
Gebunden, 304 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Susanne Van Volxem. Am selben Tag, als das noch nicht eroberte Rom zur Hauptstadt des endlich vereinigten Italien erklärt wurde, kam es in einem kleinen Ort im Süden des Landes zu einem Ereignis, das zur Legende werden sollte: Das ganze Dorf war überschwemmt von Olivenöl, das aus dem Haus von Don Francesco Falcone floss. Dort war Concetta gerade dabei zu gebären, und ihre Schreie waren so gellend, dass sämtliche im Lager befindlichen Ölkrüge zersprangen. Trotz dieses Verlusts war die Freude groß, als nach sechs Mädchen ein Junge geboren wurde - für Don Francesco ein Grund, die Mutter seiner Kinder endlich zu heiraten. Doch hatte er nicht mit der Eigenwilligkeit seiner ältesten Tochter gerechnet, die für eine Überraschung sorgte. Und damit nahm eine Geschichte ihren Anfang, die so sinnlich und abenteuerlich ist wie der mediterrane Süden. Eine mehr als ein Jahrhundert umspannende Familiensaga zwischen Olivenhainen und den staubigen Straßen Grottoles in der Basilikata, geschrieben in einer gleichzeitig frischen, poetischen und prägnanten Sprache.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2008

Maike Albaths Reaktion auf den Debütroman "Tausend Jahre, die ich schon hier bin" von Mariolina Venezia ist verhalten. Die aus der Basilikata stammende Autorin hat ihre eigene Familiengeschichte mit 130 Jahren italienischer Geschichte bis in die 1990er Jahre verknüpft. Dabei gelängen ihr durchaus eindringliche Porträts und insbesondere die Schilderungen der traditionellen Dorfgemeinschaft, in der die Familienchronik ihren Anfang nimmt, lobt die Rezensentin als prägnantes Leseerlebnis. Trotzdem muss Albath mit Bedauern feststellen, dass die Erzählkunst der Autorin hinter ihrem ehrgeizigen Projekt zurückbleibt. Zu kursorisch werden die geschichtlichen Ereignisse abgehandelt und Venezia verzettelt sich in ihren vielen Schicksalen, anstatt sich auf einzelne Lebensgeschichten zu konzentrieren, kritisiert die Rezensentin. Dass der Roman dennoch 2007 einen der renommiertesten italienischen Literaturpreise bekommen hat, erklärt Albath mit dem steigenden Interesse in Italien an Regionalgeschichten, sie findet aber, dass Venezia ihren berühmteren Vorläuferinnen wie Natalia Ginzburg oder Fabrizia Ramondino nicht das Wasser reichen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2008

Bläst da der Meereswind? Aureliana Sorrento ist sich nicht sicher, was genau in diesem Roman der treibende Impuls ist, der die Handlung im "Selbstrückblick einer Frau von heute" durch die Jahrhunderte treibt. Aber ganz gleich, ob historisch oder autobiografisch - das Buch hat sie gefesselt. Nicht zuletzt auch, weil die Autorin Mariolina Venezia die Geschichte ihrer Protagonistin vor dem Hintergrund der wenig bekannten Geschichte des feudalistisch geprägten Süditaliens zu konkretisieren weiß, wie Sorrento anerkennend erklärt.