Silvio Berlusconi ist in Deutschland vor allem als schillernder Politiker bekannt, der wilde Bunga-Bunga-Partys feierte und seine Macht zum Ausbau seines privaten Medienimperiums nutzte. Was viele hierzulande nicht wissen: Während seiner Regierungszeit hat sich Italien nachhaltig verändert. Was als Modernisierung des Landes begann, bezeichnen viele Italiener*innen heute als "Berlusconierung", als schrittweise Aufweichung der Demokratie. Die freie Journalistin Michaela Namuth lebt seit 1994 in Rom und hat Berlusconis Karriere hautnah miterlebt. In ihrem Buch geht es um Verlage, Design, Krimis, Mafia, eine Frauenfabrik, den Süden - eben um all das, worin sich der Einfluss des italienischen Politikers zeigt!
Was es mit dem "Berlusconismus" auf sich hat, kann Kritikerin Edith Kresta jetzt von Michaela Namuth lernen, langjährige Korrespondentin in Rom: Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Berlusconi als eine Art Vorreiter des Populismus zu porträtieren, der den Aufstieg ähnlich gesinnter Politiker wie Le Pen oder Orbán erst möglich gemacht habe. Mit Rückgriff auf vielfältige Quellen und mit Hilfe eines weiten Themenspektrums (Mode, Architektur, Politik, Wirtschaft und mehr), macht Namuth das "Phänomen Berlusconi" greifbar. Sie geht dabei auch auf die Vereinnahmung und "Vulgarisierung" der Medienlandschaft ein, zu der sich der beispielsweise der damalige Chef Tageszeitung la Repubblica Eugenio Scalfari äußert. Auch der Modefotograf Oliveria Toscani, der die berühmte Benetton-Kampagne inszenierte, kommt zu Wort. Namuth macht der Rezensentin mit diesem interessanten "Kaleidoskop" aufs Neue klar, wie Berlusconi Zeit seiner politischen Karriere nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht war. Aufschlussreich und entlarvend, und dennoch bewahrt das Buch Respekt und Hochachtung vor Italien, wie Kresta resümiert.
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