Karl Christ

Sulla

Eine römische Karriere
Cover: Sulla
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406492853
Gebunden, 236 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Karl Christs Portrait Sullas zeigt eine dämonische Persönlichkeit, die gleichermaßen von äußerster Risikobereitschaft, nüchternem politischen Kalkül und gnadenloser Härte im Umgang mit Feinden geprägt ist. Der Autor zeigt jenen Sulla, der als tändelnder Aristokrat die zweifelhafte Gesellschaft von Schauspielern sucht, aber auch den mutigen Reiteroffizier, der seinem Gegenspieler Marius den Rang abläuft, und ebenso den Revolutionär, der mit seinen Truppen den Marsch auf Rom wagt. Dann wieder schildert er den zweckrational agierenden Diktator, der Rom kurzzeitig zu stabilisieren vermag, und schließlich jenen rätselhaften Mann, der auf dem Höhepunkt der Macht alle Ämter aufgibt, um unangefochten - wieder in der Gesellschaft der Gaukler - seine letzten Monate zu verbringen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2003

Eine "schwierige Biografie" erblickt Rezensent Thomas Maissen in Karl Christs "Sulla. Eine römische Karriere". Schon für Seneca war es laut Maissen eine ungeklärte Frage, was für ein Mensch Sulla war. Christ referiere eine lange Reihe von antiken und modernen Autoren, die gleichwohl ihr Urteil abgaben, und füge seine eigene, kenntnisreiche Skizze dieser widersprüchlichen "Persönlichkeit" hinzu. Nichtsdestoweniger hält Maissen fest, dass wir Heutigen uns noch weniger ein Bild von Sullas Person machen können als Seneca. Denn: zeitgenössische Quellen fehlen, die detailliertesten Berichte, von Plutarch und Appian, wurden rund zwei Jahrhunderte später auf Griechisch verfasst. Dessen ungeachtet zitiere Karl Christ stellenweise unkommentiert und ausführlich aus den gesammelten Bruchstücken der Sulla-Überlieferung. "Er ahnt wohl", resümiert der Rezensent, "spricht aber nicht aus, dass sie den Stoff für eine Biografie im modernen Sinn nicht hergeben."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

Sehr eindeutig ist die bisherige Geschichtsschreibung umgegangen mit dem "römischen Feldherrn und Diktator" Lucius Cornelius Sulla und seinen blutigen "Proskriptionen, das heißt die Ächtung seiner Gegner, die für vogelfrei erklärt wurden", schreibt Dietrich Schwarzkopf. Die hier vorgelegte Sulla-Biografie soll den Blick auf den Römer im Kontext seiner Zeit zeigen, und diese war die des "Verfalls der römischen Republik". Christ wird von Schwarzkopf dahingehend zusammengefasst, dass Sulla "kein großer Politiker" war, der zudem nur für "die eigenen Interessen und die seines Heeres" einstand. Aber da stimmt Schwarzkopf dem Autor nicht ganz zu und hält seine Auffassung dagegen, Sulla habe "ungewollt" die "historische Notwendigkeit einer monarchischen Leitung des Imperiums" bewiesen. Über Vorzüge und Nachteile der Christ'schen Biografie erfahren wir nicht so sehr viel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2002

Um die Zusammenhänge um den römischen Diktators deutlich machen zu können, muss Karl Christ mit seiner Sulla-Biografie weit ausholen. Hierin liegt für Jürgen Busche ein großer Vorteil des Werkes. Zum Verständnis des Werkes muss man sich nicht erst um weitere Literatur zur römischen Geschichte bemühen, die werde hier ausführlich mitgeliefert. Wenn es allerdings um das nähere Verständnis eines umstrittenen Feldherrn geht, bleiben für den Rezensenten zu viele Fragen offen. Er vermisst in der Darstellung des römischen Herrschers die Elemente, die eine Lektüre erst wirklich interessant machen. Christ hat demnach nicht den Mut, über die vorhandenen Quellen hinauszugehen und gegebenenfalls die Phantasie zu Hilfe zu nehmen. So werden die objektiven Handlungen des Sulla zwar deutlich, die Person hinter dem Politiker aber nicht. Es bleibt beim Erstaunen. "Was nun Sulla denkt, wenn er sich im Spiegel betrachtete, scheint Christ nicht zu interessieren." Christ hat sich davor gehütet, auf die unbeantworteten Fragen zum Beispiel nach seinem Rücktritt - oder warum er sich diesen überhaupt erlauben konnte, gewagte Antworten zu geben. Schade, findet Busche.
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