Auch wer den Italienern immer einen leidenschaftlicheren Politikstil zugestanden hat, mag nicht glauben, was sich jetzt abspielt: Hemmungslose Emotionen beherrschen die Debatten, es wird ungeniert polemisiert und provoziert und vor allem: Die Italiener scheinen das zu tolerieren.Der Journalist Ulrich Ladurner erzählt, wie Jahrzehnte der Korruption und Misswirtschaft das Land und die Bevölkerung zermürbt haben. Die Folge: Der Staat hat das Vertrauen der Bürger verspielt, Hunderttausende Italiener verlassen wieder ihre Heimat. In diesem Klima gewinnen Populisten Wahlen. Seit 2018 bilden die nationalistische Lega und die 5-Sterne- Bewegung nicht nur eine Koalition, sondern auch eine unheilige Allianz: Sie versprechen den Italienern mehr Selbstbestimmung und vor allem Freiheit von der EU.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2019
Werner Weidenfeld weiß, dass Italiens "spezifische Krisenfixierung" das Land stets daran gehindert hat, in Europa eine wichtigere Rolle zu spielen. Mit Interesse liest er daher zwei Neuerscheinungen, die den Zusammenbruch der derzeitigen Politik nicht als bloße Fortschreibung bisheriger Krisen verstehen, sondern etwas Neues: Der aus Südtirol stammende Zeit-Journalist Ulrich Ladurner lotet die prekäre Stimmungslage im Land aus und stößt dabei vor allem auf wachsendes Misstrauen gegenüber der EU. Zwar scheint es dem Rezensenten bei Ladurner etwas zu viel um Emotionen zu gehen, aber er weiß zu schätzen, dass der Autor eine klare Strategie empfiehlt: Die europäische Politik müsse Italien mehr Respekt entgegenbringen.
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