Demokratien können auch durch die Mehrheit der Bevölkerung in Frage gestellt werden.
Eine demokratische Gesellschaft schien lange Zeit die attraktivste Organisationsform für Bürger zu sein. Doch der Rückhalt für Demokratien sinkt - weltweit. In seiner Studie untersucht Michael Pauen, warum sich Menschen immer wieder für politische Systeme entschieden haben, die im Widerspruch zu ihren eigenen Interessen standen. Ausgehend von einem richtig verstandenen Machtbegriff und in Rückgriff auf Erkenntnisse über Primaten und frühe Gesellschaften zeigt Pauen, dass Macht nicht in Gewalt, sondern durch Konsens besteht und soziale Intelligenz voraussetzt. Ein Verständnis ihrer Rolle ist zentral, um die gegenwärtige politische Lage zu begreifen. Denn eines dürfte klar sein: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2019
Der hier rezensierende Politikwissenschaftler Andreas Anter zeigt sich enttäuscht von Michael Pauens Versuch, Machtstrukturen als Ausdruck sozialer Intelligenz darzustellen. Dass Machtstrukturen und ihre Akzeptanz durch den Menschen etwas Positives sein sollen, davon kann Pauen den Rezensenten nicht restlos überzeugen. Weder Pauens Belege aus dem Tierreich noch sein Verweis auf Max Weber sind für Anter tragfähig. Ganz konfus wird es laut Rezensent, wenn der Autor den Rechtspopulismus für das Scheitern moderner Gesellschaften verantwortlich machen will, da sie die soziale Intelligenz überfordern. Angesichts der "holzschnittartigen" Argumentation, des Mangels an Systematik und des Verzichts auf eine Unterscheidung von unterschiedlichen Machttypen möchte Anter lieber nicht von einer gelungenen sozialwissenschaftlichen Arbeit sprechen.
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