Michael Jeismann

Auf Wiedersehen Gestern

Die deutsche Vergangenheit und die Politik von morgen
Cover: Auf Wiedersehen Gestern
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2001
ISBN 9783421054951
Broschiert, 214 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Mit 19 Fotografien. Der Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust hat in den letzten Jahrzehnten deutsche Identität und deutsche Politik wesentlich bestimmt. Seit der Einheit weichen Gewißheiten auf und werden Tabus angegriffen. Wohin geht Deutschland?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.12.2002

Bei seiner Auseinandersetzung mit der "Spannung zwischen Nationalität und Transnationalität" gebe es bei diesem Autor "viele Gedanken", schreibt Martin Sabrow, die "bestechen". Darunter fällt für den Rezensenten auch jener über die endgültige Entsorgung der NS-Vergangenheit durch eine "Kultur des Schuldeingeständnisses". Und dennoch hat ihn vieles an Jeismanns Essay auch "irritiert", - nicht zuletzt das völlige Ausblenden des nach der Wende aufflammenden Streits über die Interpretationshoheit der DDR-Geschichte. Im Lichte dieser Auslassung findet Sabrow einiges, das hier "so suggestiv wie assoziativ" ausgebreitet werde, "eine Spur zu apodiktisch". Konkret kritisiert er, dass der Blick auf die "Nationalerzählung" nirgends unterscheidet zwischen "staatlicher Vergangenheitspolitik, individueller oder kollektiver Erinnerung und professioneller Geschichtsschreibung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001

Nach Meinung des Rezensenten Thomas Speckmann kommt dem Autor mit seinem Essay "ein großer Verdienst" zu, indem er viele Fragen zu beantworten suche, die sich die meister seiner Zunft gerade erst stellen würden. Bezogen auf "Gestern" stelle Jeismann fest, dass Deutschland der erste "Schurkenstaat" der politischen Moderne war. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Deutschland habe sich von der Vergangenheitsbewältigung in eine "Geschäftsgrundlage" der heutigen Politik gewandelt, referiert der Rezensent. Jeismann sehe eine neue "Weltinnenpolitik", in der nicht mehr Staatsgrenzen, sondern "menschliches Leid" eine Politik der Intervention provozieren würden. Aber auch die fortschreitende Globalisierung und der Weltmarkt forderten eine solche Interventionspolitik. Speckmanns Referat endet ohne Einwände.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001

Nicht mehr nur Gegenwart und Zukunft sind global, jetzt wird auch die Vergangenheit globalisiert. Besonders auffallend an den jüngsten Holocaust-Debatten sei, schreibt Edgar Wolfrum in seiner Rezension des Buches "Auf Wiedersehen Gestern" von Michael Jeismann, dass ihr Gegenstand nicht mehr deutsches Verhalten und deutsche Taten sind. "Es gibt eine globalisierte Arbeit an der Formung kollektiver Gedächtnisse", stellt Wolfrum fest: Der Holocaust werde im politischen Tagesgeschäft zunehmend "als Grundlage einer gebrauchsfähigen gemeinsamen europäischen Vergangenheit genutzt". Als Beispiel dient hier die Stockholmer Holocaust-Konferenz. Der Rezensent lässt leider etwas im unklaren, ob es sich dabei um seine eigenen schlauen Gedanken handelt oder um Jeismanns. Von Jeismann jedenfalls, soviel wird deutlich, stamme eine "schlüssige" Beschreibung des Wandels im deutschen Geschichtsbild: Das Holocaust-Mahnmal veranschauliche nicht nur, dass die Geschichte des Holocaust inzwischen zum repräsentativen Selbstverständnis der Bundesrepublik gehört, sondern auch das Ende der Befangenheit. Schließlich moniert Wolfrum den assoziativen Stil des Autors: "Als Leser weiß man nicht immer, wo sich der Autor gerade aufhält."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2001

Drei neue Publikationen zur Deutung des Holocaust hat sich Hans Mommsen für uns angesehen: Yehuda Bauers "Die dunkle Seite der Geschichte", erschienen im Jüdischen Verlag, "Beschweigen und Bekennen", im Wallstein Verlag, herausgegeben von Norbert Frei und Sybille Steinbacher sowie "Auf Wiedersehen Gestern" von Michael Jeismann (DVA). In diesem Essay gehe es um die Veränderung des zeitgeschichtlichen Bewusstseins, stellt Hans Mommsen fest. Die Hauptthese des Autors, der einen Übergang der "unvergangenen Vergangenheit" der Geschichte des Dritten Reichs in Geschichte und des kollektiven Gedächtnisses der Deutschen "vom nationalen Kriegsdenken zum kulturellen Gedächtnis" konstatiert, ist ihm "nicht immer durchsichtig". Anregend indessen findet er das Buch allemal. Die Erwägungen des Autors, lässt er uns wissen, haben das Zeug, eine kontroverse Diskussion in Gang zu bringen.
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