Max Herrmann-Neiße

Max Herrmann-Neiße: Briefe 1

1906-1928
Cover: Max Herrmann-Neiße: Briefe 1
Verbrecher Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783940426758
Gebunden, 1087 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Klaus Völker und Michael Prinz. Der aus Schlesien stammende Max Herrmann-Neiße, 1886-1941, gehört mit seiner Lyrik, seiner Prosa und einigen Theaterstücken zur großen Zahl der 1933 verbotenen und verbrannten deutschen Dichter, die für ihre konsequente Haltung den Preis des Vergessenwerdens entrichten mussten. Seine pessimistische Reflexion darüber, dass Opposition nirgends beliebt ist, behielt über seinen Tod hinaus Gültigkeit: Eher lässt man den erfolgreichen Verbrecher gelten, der die Macht erobert hat, als dass man einem machtlosen Empörer aus Überzeugung, einem anhanglosen Freiheitskämpfer, Gerechtigkeit widerfahren lässt. Neben wunderbaren Gedichtbänden schrieb er etliche Romane und Novellen. Nach 1933 glich Max Herrmann-Neißes Dichtung, seine bitteren, sehr zarten und ergreifenden Gedichte, einem großen Monolog auf fremder Bühne. Der einzige Gedichtband, der zu seinen Lebzeiten im Exil verlegt wurde, hatte den bezeichnenden Titel "Um uns die Fremde" (1936).
Vor über 20 Jahren erschien dann im Verlag Zweitausendeins die vielbeachtete, von Klaus Völker edierte Ausgabe der Gesammelten Werken in zehn Bänden. Diese umfassende Werkausgabe Max Herrmann-Neißes brachte nicht nur den lange vergessenen Dichter zurück ins literarische Gedächtnis, sie wurde auch nachdrücklich für ihre editorische Genauigkeit, ihre schöne Ausstattung und sorgfältige Buchgestaltung gelobt. Von Anfang an sollte dieser Ausgabe eine Edition der gesammelten Briefe von Max Herrmann-Neiße folgen. Im Januar 2012 sollen die Briefe nun endlich erscheinen in schöner Ausstattung, angepasst an die bisherige Werkausgabe. Die Umschlagzeichnungen und die Vorsätze wird wieder Johannes Grützke entwerfen.
Einige Tausend Leser haben die zehnbändige Ausgabe, die vergriffen ist, in einigen Antiquariaten aber noch angeboten wird, seinerzeit erworben. Wir appellieren an Sie, nun das Erscheinen der Briefe durch Subskription zu befördern. Es braucht, damit die Ausgabe erscheinen kann, 400 Subskribenten, die sich vorab verpflichten, die Gesammelten Briefe zum Subskriptionspreis beziehen zu wollen. Alle Subskribenten werden in einer Sponsorentafel im Anhang von Band 2 namentlich genannt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2012

Gelegenheit, den Dichter Max Hermann-Neiße kennenzulernen, hat Jens Bisky mit diesem im von ihm gepriesenen Berliner Verbrecher-Verlag erschienenen Briefband. Beim Lesen der Briefe Hermann-Neißes an seine Geliebte (und spätere Gattin) Leni fühlt der Rezensent den Sehnsuchtsschmerz wie den eigenen, im Übrigen aber begegnet er in den Briefen einer literarischen Begabung und einem sinnenfrohen und, wie er findet, selten anständigen Charakter, mit der Fähigkeit überdies, sich selbst mit kritischem Abstand zu betrachten. Dass der Autor, der sich in seinen Briefen als "Sinnlichkeitsraser, Frauenverliebter, Wollusttoller" bezeichnet, mit seiner Liebsten offenherzig über Bordellbesuche bei der "perversen Asta", übers Theater, Literatur und Politik plaudert, macht den Band für Bisky zu einer kleinen Kulturgeschichte der Weimarer Republik.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2012

Ganz hingerissen ist Rezensent Andreas Platthaus von den Briefen des Dichters und Kritikers Max Herrmann-Neiße aus den Jahren 1906 bis 1940, die Klaus Völker und Michael Prinz in zwei "exzellent kommentierten" Bänden herausgegeben haben. Der Kritiker liest mit Vergnügen insbesondere die Vielzahl der Briefe, die der seit früher Kindheit kleinwüchsige und bucklige Dichter an seine geliebte Frau Leni schrieb. Platthaus erfährt hier nicht nur, wie Herrmann-Neiße sehnsüchtig um die junge Leni warb, sondern spürt auch den zahlreichen Bordell-Besuchen des avantgardistischen Lyrikgenies nach, von denen er seiner Frau offen, mitunter deftig berichtete: "Also ich werde auch von Breslau ungefickt, ja sogar ungeküsst und ungerammelt von dannen schreiten". Der Rezensent lernt hier aber nicht nur einen "skurrilen" Denker, sondern auch einen romantischen Menschen kennen, den tiefe Selbstzweifel plagten. Darüber hinaus hat Platthaus in diesen Dokumenten viel über die Kulturgeschichte der zwanziger Jahre erfahren.