Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Ein programmatischer und historisch von Plato bis zur zeitgenössischen US-Lyrik ausgreifender Essay über die Frage, warum die Poesie allgemein so marginalisiert wird, ja als elitäre Kunst regelrecht verhasst ist - und warum das ein Zeichen für ihre anhaltende Bedeutung und Existenzberechtigung ist. Dichter, so Lerner, seien wir im Prinzip alle, schon weil wir als Menschen der Sprache teilhaftig würden. Die eigentliche Dichtkunst sei aber besonders dadurch, dass sie von der Sehnsucht nach der Überschreitung der Grenzen des Endlichen und Geschichtlichen zum Transzendenten hin getrieben werde. Der Dichter, notwendig zum Scheitern verurteilt, weil die Sprache seiner Träume an der Wirklichkeit anecke, sei eine tragische Figur, das Gedicht notwendig Ausdruck eines Scheiterns. Die poetische Logik ist also bitter, aber himmlisch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2016
Rezensent Oliver Jungen ist die Skepsis anzumerken, wenn er Ben Lerners historisch grundierte, als E-Book erschienene Einlassungen zur Lyrik liest. Dass der Autor immer die US-amerikanische Lyrik meint, wenn er die zwischen Anspruch und Wirklichkeit von Dichtung klaffende Lücke ausmisst, nicht die so erfolgreiche deutsche, wird Jungen rasch klar. Wütend unterstellt Lerner den Dichtern einen nicht zu erfüllenden Vollkommenheitsanspruch und stellt dem das von Sinn weitgehend befreite konkrete Sprachspiel entgegen. Ah, Aufatmen beim Autor. Und beim Rezensenten? Eher weiter Skepsis, ob dergleichen dem deutschen Gedicht nicht eher geschadet hat und lustvoll klingende Regentonnenpoesie nicht viel schöner sind.
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