Aus dem Englischen von Susanne Warmuth nud Wolf Singer. Wolf Singer ist einer der weltweit führenden Hirnforscher. Matthieu Ricard war Molekularbiologe, wurde dann buddhistischer Mönch - und Bestsellerautor. Für dieses Buch treten beide in einen Dialog über die Beziehung zwischen Hirnforschung und Bewußtseinstraining. Sie sprechen darüber, welche mentalen Zustände mit meditativen Praktiken herbeigeführt werden sollen, welche neuronalen Vorgänge diesen zugrunde liegen, und sie fragen, ob regelmäßiges Meditieren zu nachweisbaren Veränderungen von Hirnfunktionen führt.
Mit großer Freude hat Annette Brüggemann den Band "Hirnforschung und Meditation" von Wolf Singer und Matthieu Ricard gelesen, der ein Gespräch zweier Mentalitäten über die Frage "Was ist Bewusstsein?" beinhaltet. Amüsant und informativ sei das Match "Mönch trifft Hirnforscher", urteilt die Rezensentin und lobt besonders die Offenheit der zunächst widersprüchlichen Positionen. Befruchtend findet sie diesen scheinbaren Antagonismus zwischen dem Vertreter eines aufgeklärten Wissenschaftssystems, seines Zeichens Leugner des freien Willens, und dem Anhänger einer 2500 Jahre alten "kontemplativen" Kultur. Jetzt weiß die Rezensentin, dass Meditation das Wachstum der frontalen Großhirnrinde fördert und zudem einen direkten Einfluss auf das Gefühlsleben hat. Zudem unterstreicht sie, dass die Auseinandersetzung mit dem Buddhismus uns davor bewahre, Menschen als "bloße Bioautomaten zu begreifen" - gesteuert von Genen und elektronischen Impulsen, auch Singers Thesen seien mit dieser spirituellen Dimension bis zu einem gewissen Grad vereinbar, meint sie. Der edition unseld attestiert Brüggemann, mit dem vorliegenden Dialog erfolgreich zwischen Natur- und Geisteswissenschaften zu vermitteln.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2008
Erwartungsvoll hat Peter Janich, emeritierter Professor für Systematische Philosophie, diesen Dialog zwischen dem Hirnforscher Wolf Singer und dem buddhistischen Mönch Matthieu Ricard nach eigenem Bekunden gelesen. Er hat sich ein "ergebnisorientiertes Gespräch aus zwei Welten" erhofft, der "modernen Laborforschung am menschlichen Hirn und der Lebensformsuche asiatischer Klostertradition". Aber zu seinem Bedauern dokumentiere der Band vielmehr ein "grandioses Aneinander-Vorbeireden". Im Mittelpunkt seiner Besprechung stehen die Positionen Singers und insbesondere sein "Hirnkausalismus". Eingehend erklärt Janich, warum er die Ansichten des Hirnforschers, wonach alle geistigen Vorgänge in neurologischen Prozessen gründen, für naiv, reduktionistisch und widersprüchlich hält. Seines Erachtens führt das Buch deshalb nur deutlich vor Augen, welchem Selbstmissverständnis Singer unterliegt.
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