Neurowissenschaft und Philosophie

Gehirn, Geist und Sprache
Cover: Neurowissenschaft und Philosophie
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518585429
Gebunden, 277 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Maxwell Bennett, Daniel Dennett, Peter Hacker und John Searle. Aus dem Amerikanischen von Joachim Schulte. Mit einer Einleitung und einer Schlussbetrachtung von Daniel Robinson. Als der Neurowissenschaftler Maxwell Bennett und der Philosoph Peter Hacker 2003 den voluminösen Band Philosophical Foundations of Neuroscience veröffentlichten, war dies nicht nur die erste systematische Untersuchung der begrifflichen Grundlagen der Neurowissenschaften. Es war auch der Startschuss für den bis heute intensiv geführten Kampf um die Deutungsmacht in bezug auf den menschlichen Geist. Besonders kritisch fiel seinerzeit die Auseinandersetzung der beiden Autoren mit den einflussreichen Arbeiten von Daniel Dennett und John Searle aus - also mit jenen beiden Denkern, die von der neurowissenschaftlichen Seite gerne als philosophische Gewährsmänner herangezogen werden. Mit Neurowissenschaft und Philosophie ist nun das Kunststück gelungen, die vier Streitenden in einem Band zu versammeln. Im ersten Teil des Buches wird das zentrale Argument von Bennett und Hacker präsentiert, das unter anderem jene begrifflichen Verwirrungen offenlegt, denen Neurowissenschaftler allzu häufig unterliegen, wenn sie aus ihren empirischen Forschungen die bekannten weitreichenden Schlussfolgerungen etwa über das Wesen des Menschen ziehen. Der zweite und dritte Teil sind ganz der Debatte gewidmet: Auf die Einwände von Dennett und Searle folgen erneute Erwiderungen von Bennett und Hacker. Den Abschluss bildet ein kurzer Epilog von Maxwell Bennett, gerahmt wird das Ganze durch eine Einleitung und eine Schlussbetrachtung des Philosophen Daniel Robinson.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2011

Instruktiv findet Willy Hochkeppel diesen aus einer Tagung der American Philosophical Association hervorgegangenen Band über die in Philosophie und Neurowissenschaften geführte Kontroverse um Gehirn und Geist und die daraus resultierenden Fragen nach dem menschlichen Selbstverständnis. Im Wesentlichen dokumentiert das Werk den teils heftigen Schlagabtausch zwischen Peter Hacker, Max Bennett, Daniel Dennett und John Searle. Ausführlich rekapituliert er, wie der Philosoph Hacker und der Neurologe Bennett die Neurowissenschaften in ihre Schranken verweisen und wie die prominenten Philosophen Dennett und Searle darauf reagieren. Hackers und Bennetts Argumente gegen den neurowissenschaftlichen Reduktionismus scheinen Hochkeppel sehr einleuchtend. Er räumt ein, dass die Entgegnungen von Dennett und Searle diese Argumente teilweise "aufweichen", letztlich aber "nicht außer Kraft" setzen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2010

Anregend findet Uwe Justus Wenzel diesen jetzt in deutscher Übersetzung vorliegenden Band. Die Texte des Neurophysiologen Maxwell Bennett sowie der Philosophen Daniel Dennett, Peter Hacker und John Searle bilden für ihn ein "Streitgespräch" mit "temperamentvollen" Angriffen, Verteidigungen und Gegenangriffen. Die Debatte kreist nach Wenzel vor allem um die Sprache der Hirnforscher, die das Hirn zum Handelnden erheben und vom Gehirn so reden, "als ob es ein Akteur wäre". Ihm schiene es angebracht, würden sich die Autoren erst Mal über "Sinn und Unsinn, Funktionsweise und Reichweite von Metaphern in wissenschaftlichen Kontexten" verständigen. Gleichwohl schätzt er den Band als "unterhaltsamen Schlagabtausch". Wer etwas Prägnanteres zum Thema sucht, dem kann der Rezensent Peter Janichs Buch "Kein neues Menschenbild. Zur Sprache der Hirnforschung" empfehlen.

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