Die russische Exilorganisation NTS ("Volksbund der Schaffenden") gehört zu den geheimnisvollsten Akteuren in der Ära des Kalten Krieges. Sie wurde 1930 auf dem Balkan gegründet, um den bewaffneten Aufstand gegen die Stalin-Diktatur einzuläuten. 1952 verlegte sie ihren Hauptsitz nach Frankfurt am Main. Ihr 1945 gegründeter Verlag "Possev" ("Die Aussaat") veröffentlichte Literatur, die in der UdSSR verboten war, und schmuggelte sie dorthin. Die Studie ist die erste wissenschaftliche Gesamtdarstellung dieser Exilorganisation von ihrer Gründung bis heute. Sie stützt sich auf eine Fülle von bisher kaum ausgewerteten Quellen - auch der auf beiden Seiten involvierten Geheimdienste. Die Geschichte des NTS lässt sich als Lehrstück über die Ambivalenzen des antitotalitären Widerstands lesen, aber auch als Chronik der jahrzehntelang gescheiterten Liberalisierung Russlands.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.07.2023
Zwei Möglichkeiten gebe es, so Rezensent Viktor Funk, sich Matthias Vetters Buch über den "Volksbund der Vertriebenen" (gebräuchliches Akronym: NTS), eine russische Exilantenorganisation, zu nähern: als akademische Arbeit und als Spannungsliteratur. Denn es gelingt dem Historiker, die Geschichte des offiziell 1930 gegründeten NTS auf mitreißende Art und Weise zu rekonstruieren, versichert der Rezensent. Das Buch zeige auf, dass die von Gegnern der Oktoberrevolution geprägte Organisation von Anfang an viele verschiedene politische Strömungen beherbergt habe. Im Zweiten Weltkrieg schlug sich der NTS aus vorwiegend strategischen Gründen auf die Seite der Nationalsozialisten , nach dem Zweiten Weltkrieg suchte er hingegen die Nähe westlicher Geheimdienste, resümiert Funk. Als die Sowjetunion zunächst keine Anstalten machte, zusammenzubrechen, habe sich die Organisation, immer mehr in interne Grabenkämpfe verstrickt. Besonders interessieren Funk Figuren wie der im NTS aktive Philosoph Iwan Iljin, dessen nationalistisches Gedankengut auch Wladimir Putin geprägt habe. Überhaupt sei Vetters Buch hervorragend dafür geeignet, die Gedankenwelt und politischen Frontstellungen des gegenwärtigen Russland zu erschließen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2023
Rezensent Niklas Zimmermann findet Matthias Vetters Nachzeichnung der Geschichte der russischen Exilorganisation "Volksbund der Schaffenden" (NTS) anregend auch im Hinblick auf die Gegenwart und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Erinnerung an die antistalinistische Tradition kann "russische Irrwege" aufzeigen, meint er. Vetters Darstellung scheint Zimmermann "ansprechend erzählt" und in ihren Einordnungen (etwa betreffend die Frage, inwiefern der NTS "faschistisch" gewesen ist) überzeugend.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…