Zu wissen, was im Kopf eines anderen vor sich geht, gehört zu den ältesten Sehnsüchten der Menschheit. Längst sind Wissenschaftler dabei, Gedanken aus der Hirnaktivität auszulesen. Der Neurowissenschaftler John-Dylan Haynes hat es geschafft, verborgene Absichten in den Hirnen seiner Probanden zu entschlüsseln. Seine Forschungen ergeben provokante Fragen: Sind unsere Gedanken wirklich sicher? Wird man irgendwann per Gehirnscan unsere Wünsche und Gefühle oder gar unsere PINs auslesen können? Kann die Werbung unsere Hirnprozesse gezielt beeinflussen, um uns bestimmte Produkte kaufen zu lassen - sogar gegen unseren Willen? Haben wir überhaupt einen freien Willen oder sind wir durch unser Gehirn vorherbestimmt? Noch ist es bis zum Lesen beliebiger Gedanken ein weiter Weg. Aber das kann sich vielleicht schneller ändern, als uns lieb ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2021
Markus C. Schulte von Drach lässt sich vom Neurowissenschaftler John-Dylan Haynes und seinem Co-Autor, dem Journalisten Matthias Eckoldt, auf den neuesten Stand der Hirnfoschung und des Gedankenmappings mittels MRT bringen. Der sachliche Ton des Buches gefällt Schulte gut, ebenso die Vorsicht, mit der Haynes Fortschritte, Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren seiner Disziplin beschreibt. Die Ausführungen über Mustererkennung im MRT-Scan stoßen Schulte auf die Frage nach dem freien Willen des Menschen, Kapitel über Nutzbarkeit in der Verbrechensbekämpfung oder im Gaming-Bereich weiten seinen Horizont. Haynes Forderung nach rechtlichen Reglementierungen beim Brain-Reading scheinen dem Rezensenten nach der Lektüre verständlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2021
Rezensent Stephan Schleim wirft den Autoren John-Dylan Haynes und Matthias Eckoldt eine gewisse Oberflächlichkeit bei der Erörterung der Forschung zum Gedankenlesen vor. Wie der Hirnforscher Haynes, Fachmann für Neuroimaging, zur Frage der Gedankenfreieheit steht, gefällt Schleim auch nicht. Seiner Meinung nach sollte das Problem der Willensfreiheit beim Thema besser ausgespart werden und erst recht nicht, wie im Buch, zur Forderung einer Revision des Strafrechts führen. Als Einführung in die Hirnforschung taugt der Band mit seiner illustrierten Darstellung der Funktionweise des fMRT, zur Mustererkennung und zu Hirn-Rechner-Interfaces laut Schleim allerdings durchaus und auch für eine breites Publikum.
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