Matteo Pasquinelli

Das Auge des Meisters

Eine Sozialgeschichte Künstlicher Intelligenz
Cover: Das Auge des Meisters
Unrast Verlag, Münster 2024
ISBN 9783897713901
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Karina Hermes. In seiner Sozialgeschichte begibt sich Pasquinelli auf die Suche nach den Wurzeln der Künstlichen Intelligenz (KI) und entdeckt sie in der Entwicklung der Arbeitsteilung, in der raumbezogenen Berechnung industrieller Fertigung, in der Kontrolle kollektiven Verhaltens. Seine Demontage des Mythos von der Künstlichen Intelligenz könnte die Wogen glätten, die der - oft sehr kontrovers geführte - Diskurs über ihre Gefahren aufgeworfen hat. In jedem Fall ist es heilsam und entlastend, sich zu vergegenwärtigen, dass KI nur die Automatisierung von Arbeit auf höchstem Niveau ist, aber keine Intelligenz an sich. Denn die Antwort auf die Frage, was künstliche Intelligenz eigentlich ist, findet sich weder in der verborgenen Logik des Geistes noch in der komplexen neuronalen Physiologie des Gehirns. Auch die Vorstellung, KI könne eines Tages autonom denken oder gar Gefühle entwickeln, bleibt reine Fantasie.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.10.2024

Matteo Pasquinelli liefert mit seinem Buch eine willkommene Neuperspektivierung der Diskussionen um KI, lobt Rezensent Ingo Arend und fasst die Thesen des Autors zusammen: Künstliche Intelligenz ist für Pasquinelli letztlich nur Abstraktion menschlicher Arbeit, die historische Herleitung dieser These setzt bereits bei Ritualen aus der Frühzeit der Menschheit an und arbeitet sich über Wegmarken wie Charles Babbage und Ada Lovelace in Richtung Gegenwart vor. Entscheidend ist dabei die Frage der Kontrolle von Wissen, und eben in diesem Themenkomplex sind auch die Gefahren von KI zu verorten, lernt Arend von Pasquinelli. Dem Kritiker gefällt, dass Pasquinelli eine materialistische Technikgeschichte schreibt, die nicht von Theorien und intellektuellen Konflikten ausgeht, sondern von der physischen Realität technischer Entwicklung. Voraussetzungsarm geschrieben ist das Buch keineswegs, merkt der Rezensent an, aber wer KI nicht einfach nur fürchten, sondern als Machttechnik verstehen will, der kann hier viel lernen, versichert er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.08.2024

Ein kluges, aber keineswegs einfach zu lesendes Buch legt Matteo Pasquinelli hier vor, meint Rezensent Arno Orzessek. Der Autor vertritt die These, lernen wir, dass Computer und auch KI keineswegs in einer autonomen technologischen Sphäre evolvieren, sondern vielmehr aus der Sozialgeschichte menschlicher Arbeit heraus verstanden werden müssen. Seine Argumentation streift dabei diverse Wissensgebiete, notiert Orzessek beeindruckt, darunter Kybernetik, Mathematik und Neurologie. Der Rezensent skizziert kurz einige Details der Argumentation, die sich unter anderem um die technikgeschichtliche Rolle von Lochkarten und Maschinenarbeiterinnen drehen. Insgesamt geht es laut Orzessek darum, darzustellen, wie heutige KI-Innovationen auf der Automatisierung und durchaus auch Ausbeutung menschlicher Fähigkeiten basieren. Ein großer analytischer Wurf ist das, meint der Rezensent, der einen kritischen Blick auf aktuelle technische Entwicklungen ermöglicht.

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