Aus dem Amerikanischen von Stephan Kleiner. Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Gestaltwandlern, Ausgestoßenen und Hexen. Aber kann er den Jungen retten und die Welten wieder in Einklang bringen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.12.2019
Jonathan Fischer scheint überfordert von Marlon James' Ziegelstein von einem Roman. Die vielen Vorschusslorbeeren für den "literarischen Tarantino" und sein Fantasy-Epos möchte Fischer dem Autor gern wieder ausrupfen. Die Geschichte der Suche nach dem königlichen Kind und die folgenden bluttriefenden Racheorgien wirken auf Fischer zwar alptraumhaft fesselnd und mitunter wie eine "magisch überhöhte" Version von Joseph Conrads "Herz der Finsternis", doch unterläuft der Autor solche Vergleiche immer wieder mit "ungeschlachten" Dialogen und wenig subtiler "Mythenhuberei". Solch "comicartige Massierung" schadet dem Plot, meint Fischer.
Christian Werthschulte schätzt einerseits die Narrenfreiheit, die sich der jamaikanische Autor Marlon James in seinem neuen Buch nimmt, indem er lauter sich überlagernde Geschichten voll mit Sackgassen und Irrwegen erzählt und seine Figuren sich dauernd verändern lässt. Andererseits erschwert solch quecksilbriges Erzählen die Lektüre für den Rezensenten sehr, der sich kaum an eine Perspektive halten kann. James' Fantasyroman aus dem präkolonialen Afrika, in dem Könige, Hexenjäger, Riesen und Formwandler ihren Auftritt haben, versteht Werthschulte auch als "antikolonialistische Geste", weil Afrika darin nicht leicht zu erfassen ist. Weil das Erschaffen einer Welt als wichtige Zutat jedes Fantasyromans auf diese Weise vereitelt wird, tut sich der Rezensent etwas schwer mit dem Text. James' prägnante, von Wortwitz und Sarkasmus geprägte Prosa aber hat Werthschulte begeistert.
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