Jan Costin Wagner

Sommer bei Nacht

Roman
Cover: Sommer bei Nacht
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2020
ISBN 9783869712086
Gebunden, 320 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Was geschieht, wenn das Unfassbare geschehen ist? Ein Kind verschwindet. Dabei hat seine Mutter den Jungen nur für wenige Momente aus den Augen gelassen. Die Ermittlungen beginnen und schnell stößt die Polizei auf Verbindungen zu einem weiteren vermissten Jungen. Die Ermittler Ben Neven und Christian Sandner machen sich auf die Suche nach dem fünfjährigen Jannis. Zeugen erinnern sich, dass ein Mann mit einem Teddybär auf dem Arm das Kind während des Flohmarkts in der Grundschule angesprochen hat. Schnell wird Ben und Christian klar, dass sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten. Und nicht nur das: es scheint einen direkten Zusammenhang mit der nie aufgeklärten Entführung eines weiteren Kindes in Österreich zu geben. Die beiden Polizisten stoßen auf finstere Abgründe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2020

Nachhaltig beeindruckt, wenn nicht gar verstört liest Peter Körte diesen neuen Roman des Autors und Musikers Jan Costin Wagner, der nach den Fällen des finnischen Kommissars Kimmo Joentaa nun wieder in Deutschland ermitteln lässt. Es geht um einen Fall von Kindesentführung, und wie stets bei Wagner sind auch hier Gut und Böse nicht so einfach voneinander zu unterscheiden, auch hier sind die Ermittler von Obsessionen und Dämonen getrieben, verrät Körte. Besonders auffällig findet er aber die Konstruktion des Romans, der in kurzen Abschnitte vierzehn verschiedenen Perspektiven und dabei schlaglichtartig Einblick in die Seelenlage der vielen Beteiligten gewährt. Ein Roman, der lange nachhallt, findet Körte.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.02.2020

Rezensent Tilman Winterling ist beeindruckt, wie subtil und erzählerisch geschickt Jan Costin Wagners seinen neuen Roman aufbaut. Erzählt wird von der Entführung eines kleinen Jungen in Hessen, von den schwierigen polizeilichen Ermittlungen und vom Umgang der Angehörigen mit dem Verlust. Winterling bewundert, wie der Autor dabei Spannung und Emotionen nicht direkt hervorrufe, sondern eher subtil evoziere. Beeindruckend findet er auch die eigentümliche Spannung zwischen den langsam voranschreitenden Ermittlungen und Wagners "schnellen Schnitten" zwischen Perspektiven, die er mit einer insgesamt langsamen, aber trotzdem ruckartigen Busfahrt im Berufsverkehr vergleicht. Neben psychologisch interessanten Figurenzeichnungen werfe der Roman außerdem wichtige Fragen zu Berichterstattung oder Emotionalität in der Strafverfolgung auf, lobt Winterling. Kein bloßer Krimi oder Pageturner, sondern ein "literarischer Kriminalroman", lobt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.02.2020

Jan Costin Wagners neuer Kriminalroman weckt bei Rezensentin Sylvia Staude die Neugier. Der Autor, der wie sein australischer Kollege Garry Disher gerne mit den Grenzen des Genres experimentiert und sich meist dunklen inneren Konflikten in "schillernden" Figuren widmet, so Staude, erzählt hier vom Wiesbadener Kommissar Ben Neven, der im Fall eines verschollenen Jungen ermittelt - und selbst pädophile Neigungen hat. Bisher ging es in Wagners Büchern oft um Trauer, erklärt Staude, und auch hier zeichne der Autor besonders die Eltern des verschwundenen jungen sehr "behutsam", lobt sie. Dass es, den Regeln des Genres und auch Wagners Ambitionen nach, nicht bei heimlichen Masturbationsszenen bleiben könne, ist für die Rezensentin "ziemlich sicher", und sie ist gespannt, wie der Autor die Romanreihe nach diesem Auftakt fortführen wird.

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