Maria Aljochina

Political Girl

Pussy Riot - Leben und Schicksal in Putins Russland
Cover: Political Girl
Berlin Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783827015051
Gebunden, 528 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Nina Frey und Stephan Pauli. Die Lebensgeschichte einer der wichtigsten russischen Dissidentinnen2012: Mit ihrem Punk-Gebet "Jungfrau Maria, verjage Putin" in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale schreien Maria Aljochina und ihre Mitstreiterinnen von Pussy Riot eine Warnung vor den Gefahren des russischen Autoritarismus in die Welt hinaus. Für ihren Mut zahlen sie mit Gefängnis. Nachdem Maria zwei Jahre später im Rahmen einer Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen wird, ist das Land noch repressiver geworden. Innenansichten aus dem heutigen Russland von einer mutigen jungen FrauAls der Krieg gegen die Ukraine beginnt und die russische Opposition zum Schweigen gebracht wird, protestieren sie und ihre Freunde weiter. Vor einer erneuten Gefängnisstrafe flieht Maria 2022 aus Russland - verkleidet als Essenslieferantin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2025

Spätestens seit 2012 und der Aktion in einer Moskauer Kathedrale kennt man Pussy Riot-Mitglied Maria Aljochina als Oppositionelle gegen Putin, hält Rezensentin Alexandra Wach fest: Sie war daraufhin in einer Strafkolonie und hat vor einigen Jahren bereits eine Autobiografie verfasst. Beklemmend findet Wach es, wie sie nun, in Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin Olga Borisova, die Zeit bis zu ihrer Flucht 2022 schildert, die geprägt war von staatlicher Gewalt gegen Pussy Riot, von gesperrten Konten, Hausarresten und Beschlagnahmungen. Die Kritikerin liest von ewigen Verhören, von Angriffen durch Gegendemonstranten und Polizisten, von dem hohen persönlichen Preis, den Aljochina für ihre Haltung zahlen muss, aber auch von Psychiatrieaufenthalten in ihrer Jugend und von der Liebe zu ihrer Mitstreiterin Lucy. Dabei entfalte sich auch ein temporeich geschriebenes Bild von Putins Russland, dessen imperiale Absurdität keinen Protest mehr erlaube.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.12.2025

Rezensent Jens Uthoff liest mit Maria Aljochinas Biografie die Geschichte eines vehementen Kampfes gegen Kirche, Staat und Patriarchat - eine Geschichte darüber, was es bedeutet, feministischen Widerstand zu leisten in einer Diktatur. Aljochina, die vor allem als Teil des Kollektivs "Pussy Riot" bekannt geworden ist, erzählt darin von ihrem Aufwachsen in Moskau unter dem Einfluss oppositioneller Künstlerinnen und Künstler und davon, wie sie Teil der Gruppe "Pussy Riot" wurde. Auch lässt sie sämtliche Aktionen der Gruppe noch einmal Revue passieren, lesen wir, und berichtet von den jeweiligen politischen Reaktionen darauf - vom Straflager etwa, in dem sie über ein Jahr verbrachte, nachdem sie in einer Kathedrale in Russland ihr berühmtes Punkgedicht vorgetragen hatte. Statt es jedoch bei bloßen Berichten zu belassen, nutzt Aljochina ihre Geschichte, um die Biopolitik des russischen Regimes zu analysieren und zugleich an jene zu erinnern, die dagegen Widerstand leisteten und leisten, erklärt Uthoff. Eines expliziten, abschließenden Urteils über Aljochinas Buch, enthält sich der Rezensent.

Buch in der Debatte

9punkt 12.11.2025
Die Pussy-Riot Aktivisten Maria Aljochina hat ein Buch über die Zeit nach ihrer Entlassung aus einer russischen Strafkolonie bis zu ihrer Flucht aus Russland 2022 geschrieben. Nach Russland kann sie nicht zurück, weil sie sofort verhaftet werden würde. Im SZ-Interview mit Alexander Menden betont sie, dass sich viele im Westen immer noch nicht klargemacht haben, wie schnell eine vermeintliche dystopische Wirklichkeit real werden kann: "Wenn Sie mir vor 15 Jahren gesagt hätte: Dein Land wird die Ukraine bombardieren und es eine 'militärische Spezialoperation' nennen, man wird für einen Instagram-Post inhaftiert werden, das Regime wird deine Freunde zusammenschlagen, vergewaltigen und umbringen, dann hätte ich gesagt, das ist Schwachsinn, so was gibt es nur noch in Geschichtsbüchern. Aber es wurde Realität. Deswegen liest sich mein Buch auch wie die Beschreibung einer sehr, sehr seltsamen Dystopie. Deshalb verstehe ich sogar, wenn im Westen manche sagen: Das ist alles übertrieben, das ist anti-russische Propaganda. Aber es ist die Wahrheit." Unser Resümee

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