Marcel Rosenbach, Holger Stark

Der NSA-Komplex

Edward Snowden und der Weg in die totale Überwachung
Cover: Der NSA-Komplex
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2014
ISBN 9783421046581
Gebunden, 384 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Edward Snowden hat enthüllt, wie weitgehend die Geheimdienste unser Leben überwachen. Nahezu täglich kommen neue Details der allumfassenden Spionage ans Licht. Die Spiegel-Autoren Marcel Rosenbach und Holger Stark konnten große Teile der von Edward Snowden bereitgestellten und streng geheim eingestuften Dokumente aus den Datenbanken der NSA und des britischen GCHQ auswerten. In ihrem Buch zeigen sie die gesamte Dimension eines Überwachungsapparates auf, der nicht nur die Privatsphäre bedroht, sondern die Grundlagen demokratischer Gesellschaften und damit selbst diejenigen, die bislang glaubten, sie hätten nichts zu verbergen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.05.2014

Einen nützlichen Überblick zur NSA-Affäre hält Rezensent Christian Rath hier in Händen, was auch daran liegt, dass die beiden "Spiegel"-Autoren direkten Zugriff auf die Snowden-Dokumente haben. Wohl auch deshalb referiert Rath nochmal ausführlich die wichtigsten Eckdaten des größten Datenschutzskandals der letzten Jahre, bevor er tatsächlich auf das Buch zu sprechen kommt, dem er bei aller Nützlichkeit doch auch ein paar Mankos vorwirft: Zum einen bringt das Buch kaum etwas, was er nicht schon aus seiner "Spiegel"-Lektüre kenne. Zum anderen mangelt es dem Buch an Schlussfolgerungen. Wenn es etwa lapidar heißt, dass Deutschland überwacht werde, hätte sich Rath mehr Hinweise darauf gewünscht, was dies konkret heißt. Auch kollidiert der Befund der Autoren, dass die NSA Meinungsfreiheit und Demokratie bedroht, für den Geschmack des Rezensenten zu sehr daran, dass bislang keine Informationen über Datenmissbrauch vorliegen. Doch stellt Rath schließlich fest: Es sind gerade einmal zehn Prozent der Snowden-Dokumente ausgewertet und Glen Greenwalds Bericht über die Snowden-Affäre steht auch noch aus - da mag also noch einiges auf uns zukommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.04.2014

Vielleicht schafft es ja "Der NSA-Komplex" der Spiegel-Journalisten Marcel Rosenbach und Holger Stark, die Deutschen endlich aufzurütteln, hofft Steven Geyer. Der "Thriller-Sound" mit "Watergate-Feeling" könnte helfen, vermutet der Rezensent, dabei wäre der Inhalt eigentlich schon rüttelnd genug, findet Geyer. Stück für Stück widerlegen die Autoren die Beschwichtigungsversuche des Weißen Hauses, weder ist die NSA rechtstreu, noch beschränkt sie sich auf die Überwachung von Terrorverdächtigen, erklärt der Rezensent. Aus den geheimen Dokumenten geht das eigentliche Ziel der NSA hervor: sie soll den USA "die Vorherrschaft in der Informationsgesellschaft" sichern, zitiert Geyer. Das "goldene Zeitalter der Überwachung" ist längst angebrochen, und wenn sich die totale Überwachung überhaupt noch verhindern lässt, dann muss das Verhindern jetzt anfangen, weiß der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.04.2014

Tanjev Schultz regt sich beim Lesen des Buches der beiden Spiegel-Redakteure Marcel Rosenbach und Holger Stark noch einmal richtig auf. Die Snowden-Geschichte noch einmal in allen Einzelheiten dargelegt zu bekommen, lässt den Rezensenten nicht kalt. Wie auch?, fragt Schultz. Diese Geschichte hat Dramatisierungen nicht nötig, meint er. Als Sachbuch-Thriller beeindruckt ihn der Band mit Analysen des NSA-Komlexes, Zitaten aus Chat-Beiträgen Edward Snowdens, in denen sich dieser noch 2009 als loyaler Verfassungspatriot zeigt, sowie unbedingter Parteinahme der Autoren für den Whistleblower. Als Überblicksdarstellung zu den Programmen der NSA und zur Terminologie von "Prism" bis "Shelltrumpet" eignet sich das Buch laut Schultz überdies. Allen, die meinen, sie hätten nichts zu verbergen, erläutern die Autoren was es heißt, wenn ein Geheimdienst zur politischen Waffe gegen unliebsame Bürger wird, meint der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2014

Mit in den Adern gefrorenem Blut schreibt Nils Minkmar diese Rezension. Nein, Illusionen über die freie Welt macht er sich nicht mehr nach dieser Lektüre. Die Autoren veranlassen ihn sogar dazu, Edward Snowden für die höchsten Orden vorzuschlagen, indem sie ihm nüchtern und sachlich anhand von Fallgeschichten erläutern, welche Dimension der NSA-Skandal tatsächlich hat. Für Minkmar fallen dabei sämtliche Filter, mit denen er derartige Nachrichten sonst so behandelt. Das Buch liest sich für ihn auch noch spannend wie ein Krimi. Und Snowden steht am Ende da als Held unserer Zeit mit Verstand und sicherem moralischem Urteil, meint Minkmar begeistert.