Der Mönch als Ungeziefer, der Priester als Triebtäter - das sind nur zwei Bilder mit denen die fortschrittlichen Kräfte, u.a. Liberale und Demokraten, gegen den Katholizismus zu Feld zogen. Der moderne Antikatholizismus war bereits in der Aufklärung entstanden und entwickelte sich in der Folge zu einem europäischen Konflikt um den Ort und die Bedeutung von Religion und Kirche. Manuel Borutta erhellt im Rahmen eines Vergleichs zwischen Deutschland und Italien den Zusammenhang zwischen Antikatholizismus, Kulturkampf und Säkularisierungstheorie. Er zeigt, wie sich der Antikatholizismus vor 1800 mit Projekten der Moderne und der bürgerlichen Gesellschaft verband, sich im 19. Jahrhundert medial ausbreitete, Kulturkämpfe auslöste und nach 1900 in die Selbstbeschreibung der westlichen Moderne einging.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2010
Aufschlussreich erscheint Rezensent Siegfried Weichlein diese Studie über das Weltbild des Antikatholizismus, die Manuel Borutta vorgelegt hat. Dem Autor gelingt in seinen Augen die Rekonstruktion einer antikatholischen Weltanschauung in Deutschland und Italien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die mit drastischen Verdammungsurteilen einher ging. Weichlein hebt dabei insbesondere drei Aspekte hervor, die Borutta dafür verantwortlich macht: Demnach prägten Säkularisation, der Vorwurf des Orientalismus und sexuelle Phantasien etwa über die Zustände in den Klöstern den Antikatholizismus. Für Weichlein sagt der Antikatholizismus, wie ihn Borutta beschreibt, viel über die Selbstverständigung der Liberalen und über die bürgerliche Kritik an den Unterschichten aus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2010
Dem Rezensenten Patrick Bahners kommt dieses Buch des Berliner Historikers Manuel Borutta gerade recht, liefert es ihm doch einige gute Argumente gegen den vielbeschworenen "Fundamentalismus der Aufklärung" und andere Formen der liberalen Militanz. Borutta untersucht darin, welches Gewaltpotenzial der Antiklerikalismus während des Kulturkampfs in Deutschland und Italien entwickelte. Geradezu frappierend findet Bahners die Parallelen zu heutigen Debatten: Missbrauchsvorwürfe gegen Priesterseminare und Knabenkonvikte oder Demonstrationen gegen verschleierte Frauen (in diesem Fall Nonnen). Die Frage ist nun allerdings nicht, auf welcher Grundlage diese Vorwürfe basierten; Bahners und Borutta geht es eher darum zu zeigen, dass bereits in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Religion und ihr Klerus zum Feindbild "fortschrittsfreundlicher, männlicher Eliten" werden konnte. Geradezu "exterminatorische Phantasie" sieht Bahners hier gegen den Katholizismus entwickelt. Und wenn Borutta dann auch noch zeigen kann, dass sich dieser Antikatholizismus bereist aus einer Abwehr "orientalistischer Angstbilder" speiste, ist das Rezensentenglück vollkommen.
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