Jörg Haustein

Liberal-katholische Publizistik im späten Kaiserreich

Das Neue Jahrhundert und die Krausgesellschaft. Habil.
Cover: Liberal-katholische Publizistik im späten Kaiserreich
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2001
ISBN 9783525551882
Gebunden, 406 Seiten, 62,00 EUR

Klappentext

In der Zeit vor 1914 wurde die römisch-katholische Kirche mit starken fortschrittlichen, "reformkatholischen" Tendenzen konfrontiert. Hier gab es nicht nur einzelne herausragende Theologen wie Alfred Loisy oder Herman Schell, sondern auch facettenreiche Gruppen und Bewegungen, die eine Aussöhnung von katholischer Kirche und liberaler Kultur anstrebten. Das Zentrum der reformkatholischen Bewegung in Deutschland war zweifellos München, wo Theologen und interessierte Laien in der "Krausgesellschaft" als reformkatholischer Verein in die Öffentlichkeit traten und von 1901-1916 die Zeitschrift Das Neue Jahrhundert (bzw. Freie deutsche Blätter und Das Zwanzigste Jahrhundert) herausgaben. Die Geschichte dieses Organs und seiner Protagonisten ist ein Spiegelbild der Geschichte des deutschen "Modernismus": der Versuch, historisch-kritische Exegese und Dogmenkritik allgemein verständlich zu vermitteln, die Kämpfe um Richtungen und Ziele vor allem hinsichtlich eines "politischen Katholizismus", der Umgang mit den innerkatholischen Anfeindungen, schließlich das Ende der Zeitschrift durch neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2002

Thomas Brechenmacher spendet der Habilitationsschrift des protestantischen Bonner Kirchenhistorikers Jörg Haustein über die reformkatholische Münchner Zeitschrift "Das Neue Jahrhundert", die in den Jahren 1901 bis 1916 erschien, Lob und Tadel. "Detailkräftig" und "farbenfroh" leite der Autor den Leser durch die Geschichte dieser Zeitschrift, die sich Reformen innerhalb der katholischen Kirche verschrieben hatte. Hausteins Schilderung der Sorgen und Nöte der Zeitschrift im Blätterwald zu überleben, lese sich überaus "lebendig" und "unterhaltsam", so der Rezensent, und sei außerdem "wissenschaftlich ergiebig", vor allem wegen des hundertseitigen Dokumentenanhangs. Doch habe der Autor mit seiner Untersuchung leider, bedauert Brechenmacher, aus einer "publizistischen Mücke" einen Elefanten gemacht und siedle die Bedeutung der Zeitschrift zu hoch an. Etwas ärgerlich findet der Rezensent außerdem eine Reihe von "Flüchtigkeiten" und "Ungenauigkeiten" bei Orts-, Personen- und Zeitangaben. Trotzdem aber, lenkt Brechenmacher in seinem Resumee ein, sei dieses Buch ein wichtiger und "in sich runder" Beitrag zum deutschen Modernismus und zur Publizistik.

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