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Veronique Olmi

Bakhita

Roman
Cover: Bakhita
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2019
ISBN 9783455006018
Gebunden, 416 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Sieben Jahre alt ist Bakhita, als sie aus ihrem Dorf im Sudan entführt wird. Damals heißt sie noch anders, doch die Erinnerung an ihren Namen verblasst mit jedem Jahr, in dem sie verschiedenen Herren dienen muss. Die Freundschaft mit Binah ist ihr in dieser Zeit der größte Halt, obwohl das Mädchen nicht Bakhitas Sprache spricht. Als ein italienischer Konsul Bakhita kauft, erkennt die junge Frau ihre Chance, das Schicksal zu wenden: Sie setzt alles daran, mit ihm nach Italien zu kommen. Hier hört sie erstmals von Jesus Christus und beschließt, dem "gekreuzigten Sklaven" als einzigem Herrn zu dienen. Doch selbst als die Menschen sich an den Anblick der schwarzen Nonne gewöhnen, stehen die Spuren der Vergangenheit Bakhita ein Leben lang auf den Körper geschrieben und erinnern sie an die Familie, die sie hinter sich lassen musste.Josephine Bakhita (1869-1947) wurde von Johannes Paul II. heiliggesprochen. Véronique Olmi zeichnet das Porträt einer Frau, der es gelingt, allen Härten zum Trotz ihr eigenes und das Leben anderer zu retten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2020

Weshalb Veronique Olmis neuer Roman in Frankreich mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, will sich Rezensent Niklas Bender nicht erschließen, dennoch bereut er die Lektüre nicht: Die wahre Geschichte um die 1869 in Darfur geborene Bakhita, die im Kindesalter verschleppt, vergewaltigt, schließlich inhaftiert und an einen italienischen Konsul verkauft wird, bis sie letztlich Zuflucht im Orden der Canossianerinnen findet, liest der Kritiker mit Interesse: Kenntnisreich, "spannend" und abgründig kann ihm Olmi vor allem vermitteln, wie die Geschichte der einstigen Sklavin von den Ordensschwestern im faschistischen Italien zu Werbezwecken für ihre Missionsarbeit verbreitet wurde. Allein der Figur der Bakhita kann sich Bender nicht recht nähern: Olmis Hang zu starker Emotionalisierung kann den Rezensenten nicht überzeugen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.12.2019

Rezensent Dirk Fuhrig kann die Schilderungen der Gewalttätigkeiten kaum aushalten, die die als Sklavin verkaufte spätere Nonne Josefine Bakhita lange Zeit ihres Lebens zu ertragen hatte. Véronique Olmi erspart dem Leser in dieser Hinsicht nichts, warnt Fuhrig, dem das Abheben auf emotionale Überwältigung im Roman fast zu weit geht. Wichtig und interessant findet er den Text dennoch, da er Bakhitas Biografie und Schicksal mit dem Verhältnis Europas zu Afrika verknüpfe. Bakhitas Persönlichkeit selbst bleibt bei aller Authentizität der Schilderungen für Fuhrig allerdings eher blass.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.12.2019

Rezensentin Laura Ewert hat an Kitsch und Pathos dieses Buches einigermaßen gelitten. Aber sie gesteht auch zu, dass der Anspruch des Buches ein größerer ist, nämlich Kolonialismus, Rassismus und Gewalt gegen Frauen zu thematisieren. Dies geschieht an Hand der zwei Leben der später vom Papst heiliggesprochenen Bakhita, einer als Kind von Arabern verschleppten Sudanesin, die zur italienischen Ordensschwester wurde. Die Kritikerin moniert dennoch, wie unausgefüllt das Bild des Menschen Bakhita bleibe, wie wenig wir von ihr als Person erfahren. Die ihr angetanen Grausamkeiten bleiben, weil so zahllos, für Ewert ebenso nur aufgezählt wie das spätere Leben als berühmte Überlebende; mit ihrer Errettung und Missionierung machten sich "Italiener und Katholiken" am Ende ein gutes Gewissen. Ob letzteres von der Autorin kritisch dargestellt wird, erfahren wir von der durch allzu viele "Plattitüden" gequälten Kritikerin dann nicht mehr.