Bildungsbürger gelten gemeinhin als liberal und protestantisch. Dass auch kirchentreue Katholiken zum deutschen Bildungsbürgertum zählten, zeigt diese Untersuchung für das wilhelminische Deutschland. Christopher Dowe analysiert Vorstellungswelten und soziale Praktiken katholischer Akademiker und Akademikerinnen, die sich in katholischen Studierendenorganisationen zusammengeschlossen hatten. Dem Selbstverständnis als Katholiken und dem Wandel von Frömmigkeit gilt dabei ebenso seine Aufmerksamkeit wie den Geschlechterbildern. Darüber hinaus untersucht der Autor katholische Positionen zur Sozialen Frage, zu Staat und Nation sowie zu Religion, Wissenschaft und Kultur, um den bildungsbürgerlichen Wertehorizont katholischer Akademiker und Akademikerinnen zu beschreiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2006
Marita Krauss beeindruckt das hohe Niveau und die Differenziertheit der Studie. Dergestalt hält sie Christopher Dowes Versuch einer Kollektivbiografie des katholischen Bildungsbürgertums für einen echten Forschungsfortschritt. Die von Krauss beschriebene Reflektiertheit und Dichte bei der Verflechtung von Bürgertumsgeschichte und Katholizismusforschung, von Universitäts- und Mentalitätsgeschichte allerdings hat ihren Preis: Einem katholischen Bildungsbürger aus Fleisch und Blut ist die Rezensentin auf diesen Seiten leider nicht begegnet. Dafür ist die Arbeit zu abstrakt und zu metasprachlich, meint Krauss.
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