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Louis Begley

Der Fall Dreyfus

Teufelsinsel, Guantanamo, Alptraum der Geschichte
Cover: Der Fall Dreyfus
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518420621
Gebunden, 248 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Im September 1894 entdeckte der französische Geheimdienst eine undichte Stelle im Generalstab der Armee: Militärische Geheimnisse wurden verraten, ausgerechnet an die Deutschen. Indizien für eine Täterschaft fehlten, doch ein Verdacht genügte. Nur wenige Wochen später wurde Hauptmann Alfred Dreyfus verhaftet, des Landesverrats für schuldig befunden und zu lebenslanger Verbannung auf der Teufelsinsel verurteilt. Kaum jemand zweifelte an der Richtigkeit des Urteils: Dreyfus war Jude. Dass ein "echter" Franzose einer solchen Tat fähig wäre, schien undenkbar. Louis Begley, der in diesem Buch zum ersten Mal aus seinem reichen Wissen als Anwalt schöpft, rekonstruiert den Fall Dreyfus: die Intrigen, die kriminellen Manipulationen in höchsten Kreisen, die Spaltung der französischen Gesellschaft in "Dreyfusards" und ihre konservativen Gegner. Begley zeigt, wie Antisemitismus und Rassismus in einer vermeintlich liberalen Gesellschaft funktionieren, damals wie heute: Vorannahmen führen zur Anklage, Racial Profiling ersetzt die Suche nach der Wahrheit, Beweise werden fabriziert. Und Guantanamo liegt der Teufelsinsel näher, als man glauben mag.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2009

Rezensent Oliver Pfohlmann ist im Großen und Ganzen sehr angetan davon, wie der Autor Louis Begley die schon ausführlich erforschte Affäre Dreyfus in seinem Buch aufbereitet: "Kenntnisreich, spannend und glänzend erzählt". Auch die Parallelen zu den Geschehnissen im US-amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo, die der Autor zieht, findet er ziemlich offensichtlich und überzeugend - allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Zu Pfohlmanns Bedauern versäumt Begley es nämlich, die Unterschiede ähnlich gründlich zu untersuchen wie die Gemeinsamkeiten. Ein wesentlicher Unterschied ist nach Ansicht des Rezensenten nämlich, dass bei der Dreyfus-Affäre jemand aus der Mitte der Gesellschaft zum Sündenbock wurde, während bei Guantanamo der Subtext eher generell fremdenfeindlicher, weniger antiislamischer Natur ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.07.2009

Dieser Autor führt was im Schilde. Des Rezensenten Vermutung, der Schriftsteller und Anwalt Louis Begley beabsichtige mit seinem Buch zum hinlänglich dokumentierten und diskutierten Fall Dreyfus Aufklärung in einer sehr gegenwärtigen Angelegenheit, bestätigt sich. Dass Begley den Fall in seinem "juristisch-prozessualen Verlauf" bis hin zur kollektiven Hysterie minutiös und anschaulich darlegt, macht für Johannes Willms Sinn. Und der Schwenk in die Gegenwart funktioniert. Willms fallen die "beschämenden" Parallelen zwischen "Dreyfus" und den Rechtsverletzungen im Rahmen des "Kriegs gegen den Terror" sogleich ins Auge. Allerdings findet er Begleys Zurückhaltung bei der Darstellung und der Kritik der Verbrechen der Bush-Ära unverständlich und bedauerlich. Dem intellektuellen Anspruch des Buches, so Willms, werde der Autor in dieser Hinsicht nicht gerecht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.06.2009

Enttäuscht hat Rezensentin Katharina Granzin Louis Begleys jüngstes Buch wieder zugeklappt, dem es aus ihrer Sicht sowohl an einer ernsthafte These als auch an Schwung und Gestaltungswillen fehlt. Dabei hätte sie vom ehemaligen Anwalt Begley gerade bei diesem Thema einiges erwartet. Das Buch behandelt den Informationen der Rezensentin zufolge nämlich den Justizskandal um den französischen Artillerieoffizier Alfred Dreyfus, der als elsässischer Jude doppelt diskriminiert, Ende des 19. Jahrhunderts wider besseres Wissen der Spionage angeklagt und auf eine Insel verbannt wurde, die hier mit der Gefangeninsel Quantanamo verglichen werden solle. Doch befasse sich Begley auf ganzen 18 der 213 Seiten mit Guantanamo, eher "pflichtschuldig" wie Granzin scheint. Die Dreyfus-Affäre findet sie dann mit uninspirierter Detailgenauigkeit, aber ohne literarisch packenden, womöglich polemischen Zugriff auf das Thema präsentiert. Auch der sperrige Titel der deutschen Ausgabe dieser Auftragsarbeit schneidet schlecht bei der Rezensentin ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.06.2009

Eine traumatisierte Nation, eine gefährdete Sicherheitslage, nichöffentliche Militärprozesse, fabrizierte Beweise und eine entlegene Insel, auf die zu Unrecht Angeklagte verbracht werden - für Louis Begley sind die Parallelen zwischen der Affäre Dreyfus und den heutigen Gefangenen von Guantanamo frappierend. Und die Rezensentin Renate Wiggershaus folgt ihm in dieser Einschätzung. "Wichtig und beeindruckend" findet sie dieses Buch, in dem der Jurist und Schriftsteller der amerikanischen Nation noch einmal die Geschichte des jüdischen Generals Dreyfus erzählt, der 1894 zu Unrecht der Spionage für Deutschland beschuldigt wurde, degradiert, verhöhnt, vom antisemitischen Mob verfolgt und zur lebenslangen Haft auf der Teufelsinsel vor Französisch-Guyana verurteilt wurde. Frösteln lässt sie der geradezu "unheimliche Widerhall", den Begley aus dem Regelwerk für die Behandlung von Guantanamo klingen hört: Isolationshaft, Ankettung, Folter - das alles stand auch schon in den "Anweisungen für die Deportationsbehörde der Teufelsinsel".
Louis Begley, geboren 1933 als Ludwik Begleiter in Stryj (damals Polen, heute Ukraine). Dank falscher Papier überlebte er zusammen mit seiner Mutter den Holocaust. 1946 Emigration, zunächst nach Paris, dann ... mehr lesen
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