Steven T. Wax

Kafka in Amerika

Wie der Krieg gegen den Terror Bürgerrechte bedroht
Cover: Kafka in Amerika
Hamburger Edition, Hamburg 2009
ISBN 9783868542080
Gebunden, 496 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Werner Roller. Der amerikanische Strafverteidiger Steven Wax schildert die wahre Geschichte zweier Mandanten, die in das Netz der Antiterrormaßnahmen der US-Regierung gerieten: Brandon Mayfield, gebürtiger Amerikaner, Familienvater und selbst Anwalt in einer Kleinstadt, wurde nach den Madrider Bombenanschlägen vom März 2004 als Terrorverdächtiger verhaftet, weil das FBI Fingerabdrücke auf einer in der Nähe des Anschlagortes in Spanien gefundenen Plastiktüte, irrtümlich als seine identifiziert hat. Adel Hamad, ein in der Verwaltung eines pakistanischen Krankenhauses tätiger Sudanese, wurde ohne triftigen Grund aus seiner Wohnung verschleppt und in Ketten nach Guantanamo geflogen. Beide erlebten Kafkaeskes in Amerika: Sie wurden von einem Tag auf den anderen verhaftet, erfuhren keine Einzelheiten über die Vorwürfe und deren Grundlagen und konnten sich daher auch nicht angemessen verteidigen.
Der Strafverteidiger Steven Wax zeigt, wie bedrückend schnell die grundlegenden Prinzipien der demokratischen Freiheiten und des Rechtsstaats außer Kraft gesetzt werden können. Er stellt aber auch unter Beweis, was deren leidenschaftliche und kenntnisreiche Verteidigung bewirken kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.08.2010

Rudolf Walther zeigt sich beeindruckt von diesem "kafkaesken" Bericht des Strafverteidigers Steven T. Wax aus der Welt amerikanischer (Un-)Rechtsprechung nach 9/11. Dass Wax Talent zum Schreiben beweist, macht die Lektüre für den Rezensenten angenehm. Bei aller Tatsachenverpflichtung, meint Walther, ist aus der haarsträubenden Geschichte des in die Maschinerie der US-Justiz geratenen Muslims Brandon Mayfield so etwas wie ein Roman entstanden. Um so erstaunlicher für ihn, wenn der Autor trotz allem zu einem optimistischen Schluss findet, indem er das Funktionieren der traditionellen Strafgerichtsbarkeit würdigt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2010

Sehr viel gelernt hat Rezensent Milos Vec aus diesem Buch des amerikanischen Anwalts Steven Wax, der darin von seinem Kampf um die Rechte seiner Mandanten im Amerika des Patriot Acts erzählt. Wax ist Anwalt und hat zwei Männer verteidigt, die beim Kampf gegen den Terror unter die Räder der Justiz zu geraten drohten. Einen von ihnen schaffte er aus Guantanamo herauszuboxen. Der geborene Erzähler ist Wax nicht, warnt Vec vor, der es mithin ein wenig erschöpfend fand, allen Haftprüfungsanträgen bis ins kleinste Detail zu folgen. Sehr spannend fand es der Rezensent jedoch, wenn Wax seine Recherchearbeit und juristische Strategien schildert. Und wenn er die Schwachstellen des amerikanischen Justizsystems schildert: Die präventive Verdachtslogik, die Entrechtung von Angeklagten und die schlampige Arbeit der aller Kontrolle entzogenen Ermittler. Auf zwei Punkte legt der Rezensent noch Wert: Die beiden Mandanten, von denen Wax berichtet, waren erwiesenermaßen unschuldig, auch wenn sie es nicht gewesen wären, wäre ihre Behandlung unmenschlich und rechtswidrig. Und: Die amerikanischen Justizbehörden bekämpften Wax, aber sie zahlten ihm als Pflichtverteidiger auch sein Honorar.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2009

Rezensent Thomas Leuchtenmüller schätzt Steven T. Wax' Buch "Kafka in Amerika". Anhand zweier bizarrer Fälle, in denen Unschuldige in die Fänge des FBI und der Staatsanwaltschaft gerieten und nach Guantanamo verschleppt wurden, verdeutlicht der Autor für ihn, wie der Krieg gegen den Terror die Bürgerrechte in den USA auszuhöhlen droht. Durchaus spannend findet er, wie Wax, der als Anwalt beide Fälle betreute, abwechselnd vom Schicksal der beiden Inhaftierten erzählt, die sich in einer kafkaesken Situation wiederfanden, da ihnen nicht einmal die genauen Gründe für ihre Verhaftungen genannt wurden. Die zähen Kämpfe in den Mühlen der Justiz scheinen ihm dagegen nicht immer wirklich mitreißend geschildert. Und wenn Wax Schriftsteller wie Kafka oder William Shakespeare einbringt oder auch mal Privates einfließen lässt, wirkt das auf den Rezensenten "mitunter pathetisch oder süßlich". Andererseits zeichnet sich das Buch für ihn durch seine hohe Authentizität aus.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.10.2009

Der amerikanische Strafverteidiger Steven T. Wax macht ein hochkomplexes Thema verständlich, findet Rezensent Thomas Hummitzsch. Darum sei es auch angemessen, dass Wax auf doch recht umfangreichen 500 Seiten zwei Fälle erläutert, in denen seine Mandanten fälschlich als Terroristen beschuldigt und nach Guantanomo verschleppt wurden. Beeindruckt zeigt sich Hummitzsch von der Beschreibung der geradezu surrealen Situation, in der sich die Angeklagten befanden, die - wie der Titel "Kafka in Amerika" nahelegt - nahezu kafkaesk war. Dass Wax nebenbei noch eine exzellente Übersicht über die amerikanische Rechtsgeschichte liefert, ist für Hummitzsch ein weiteres Plus des Buchs. Einzig der Hang des Autors, "die Kontrolle über das Wesentliche" zu verlieren und abzuschweifen, nervt den Rezensenten. Er hätte sich stattdessen mehr Informationen über die Rechtsveränderungen der Obama-Regierung gewünscht.
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