Janet Malcolm

Zwei Leben: Gertrude und Alice

Cover: Zwei Leben: Gertrude und Alice
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518420348
Gebunden, 165 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte. "Zwei Leben" ist ein biografischer Essay über Gertrude Stein und Alice B. Toklas. Der Leser erfährt zum ersten Mal Genaueres über die Jahre des Zweiten Weltkriegs, die Stein und Toklas als Jüdinnen im nazibesetzten Frankreich verbrachten, nachdem sie sich bewusst gegen eine Rückkehr in die Vereinigten Staaten entschieden hatten. Stein sparte ihr Jüdischsein aus, sie verdrängte es, soweit sie nur konnte, und ließ sich von ihrem antisemitischen Freund Bernard Fay, der Zugang zu den höchsten Kreisen des Vichy-Regimes und zu Petain selbst hatte, protegieren. Malcolm berichtet von ihren Gesprächen mit Leon Katz, dem einzigen, der Alice Toklas nach Steins Tod wirklich zum Sprechen brachte - auch über sorgsam Verschwiegenes wie eine unglückliche frühe Liebe Steins, die Eingang nicht nur in ihre Notizbücher, sondern auch in Werke wie "The Making of Americans", "Drei Leben" und "Q.E.D. (BS 1055)" fand, was Alice Toklas noch viele Jahre später zu rasenden Eifersuchtsanfällen provozierte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2009

Swantje Karich zeigt sich von der Mischung aus kritischer Distanz und spürbarer Zuneigung im Essay von Janet Malcolm über Gertrude Steins und Alice B. Toklas' Jahre in Nordfrankreich sehr eingenommen. Indem die Autorin sich nicht mit vorgestanzten Antworten zufrieden gibt und beispielsweise genau nachfragt, wenn es um Steins und Toklas unbeschadetes Überstehen der nationalsozialistischen Verfolgung als jüdisch-lesbisches Paar geht, gräbt sie tatsächlich Neues aus, lobt die Rezensentin. Ihr sagt aber auch die fragmentarische Form, in der sich das mäandernde Nachdenken und -forschen der Autorin für die Leser abbildet, sehr zu, wie sie betont. Und die durchaus kritische Haltung Malcolms verdeckt dabei nicht ihre Sympathie für die beiden Frauen, stellt Karich zufrieden fest.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2008

Schockiert war Verena Auffermann über Janet Malcolms Porträt der Exil-Schriftstellerin Gertrude Stein und ihrer Geliebten, Alice Toklas. Einen "Vernichtungsschlag" habe Malcolm hier führen wollen, so böswillig und skrupellos ziehe sie über die beiden Frauen her. Malcolm versuche gar nicht erst, ihre Generalattacke wissenschaftlich zu begründen. Desweiteren ignoriere sie völlig die Wirkungsgeschichte der Schriftstellerin, kritisiert Auffermann. Daher sieht sie in den Vorwürfen eine persönliche Abrechnung und kann den biografischen Versuch lediglich als "Klatschbuch mit Fußnoten" deklassieren. Besonders belächele Malcolm die Merkmale, für die Stein überhaupt erst bekannt geworden ist: ihre Dekonstruktion von Sprache und Syntax, ihr repetetiver Stil, ihr radikaler Bruch mit literarischen Konventionen. Dass außerdem die amerikanische Jüdin Stein nie in die USA zurückwollte, findet Malcolm ebenfalls bemitleidenswert, berichtet Auffermann, und für Alice Toklas habe Malcolm ohnehin kein annähernd neutrales Wort übrig. Selbst wenn sich Stein-Gegner über diese Denunziation freuen mögen - für die Rezensentin steht fest, dass sie dem Ruf der "Revolutionärin der Moderne" nichts anhaben kann.
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