Herausgegeben von Renata Buzzo Margari Barovero. Von der Köchin bis zur Fürstin, von den Berühmtheiten der Zeit, unter ihnen Wilhelm von Humboldt, Jean Paul, Prinz Louis Ferdinand von Preußen und Friedrich Gentz, bis hin zu denen, über die wir kaum noch etwas wissen, mit allen debattierte sie über Literatur und Philosophie, Politik und Zeitgeschehen. Der dritte Band der historisch-kritischen "Edition Rahel Levin Varnhagen" enthält die weitgehend ungedruckten Briefe der Berliner Familie Levin, später Robert-Tornow. Er bietet einzigartiges Material: Von keiner anderen deutsch-jüdischen Familie dieser Zeit sind auch nur annähernd so viele Briefe überliefert. Zur Sprache kommt alles, was deutsch-jüdische Geschichte zwischen 1787 und 1833 prägte: die Frage der Konversion zum Christentum, die Restauration nach dem Wiener Kongress, die Hep-Hep-Unruhen 1819.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2010
Kein Zweifel, Rezensent Walter Hinck kennt sich aus mit den Varnhagens, mit Rahel und ihren Brüdern Ludwig Robert und Marcus Theodor und mit ihrem Ehemann Karl August. Aus dem vorliegenden Briefband kann Hinck dennoch etwas lernen. Zum Beispiel, dass Varnhagen von Enses Anschuldigung gegen seinen Schwager Marcus Theodor (brünstiger Libertin) wohlmöglich übertrieben war beziehungsweise letzterer ein grandioser Heuchler. Seine Briefe an Rahel jedenfalls zeigen Hinck einen begnadeten Prosaisten, scharfen Analytiker in Wirtschaftsfragen und den politischen Kopf der Familie. Anschaulich werden Hinck darin die Napoleonischen Kriege und ihre Folgen sowie das Heraufziehen von Nationalismus und Antisemitismus, aber auch die ganz privaten Sorgen der Familie wie die Wiedereingliederung in die Berliner Gesellschaft nach den Frankfurter Jahren.
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