Aus dem Russischen von Barbara Conrad. Das Epos einer Welt des Friedens, die unaufhörlich bedroht ist vom Krieg: Tolstois Klassiker der Weltliteratur liegt nun nach einem halben Jahrhundert endlich in einer Neuübersetzung vor, die als erste konsequent dem Original folgt. Tolstois größtes Werk beschreibt die Epoche der Napoleonischen Kriege und vor allem des Russlandfeldzugs in unvergleichlicher, monumentaler Weise. Er spannt ein weit verzweigtes Netz von Machtkämpfen, Familien- und Liebesgeschichten, in das die Weltgeschichte immer wieder gewaltsam eingreift. Nachwort und Anmerkungen der Neuausgabe beschreiben den geschichtlichen Hintergrund und machen die überwältigende Leistung des großen Schriftstellers durchschaubar.
Hohe Maßstäbe, und zwar dauerhaft gültige setzt diese Neuübersetzung des Jahrhundertromans aus Sicht der hier rezensierenden deutsch-russischen Schriftstellerin Olga Martynova. In Barbara Conrads deutschen Tolstoi-Sätzen hört Martynova Tolstois Original nachklingen. Denn ihrem Eindruck zufolge vertraut diese Übersetzerin auf Leo Tolstois Sprach- und Erzähltechniken, deren hypnotisierende Wirkungen sich daher auch in ihrer Übersetzung herstellen. Auch der Kommentar der Übersetzerin zum Roman begeistert die rezensierende Autorin sehr, da er höchst detaillierte Einblicke in historische Quellen zum Roman gibt, wie sie schreibt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010
Dass nach knapp fünfzig Jahren eine Neuübersetzung von Leo Tolstois Riesenwerk vorliegt, hält der Rezensenten für ein echtes Ereignis. Ein bisschen erschöpft, aber alles andere als enttäuscht, legt Ulrich M. Schmid das Buch schließlich beiseite und erklärt: Mit seiner These von der Machtlosigeit des Einzelnen im Hinblick auf die Geschichte und mit seiner Kritik an der napoleonischen Ästhetisierung des Krieges ist Tolstoi ganz schön aktuell. Und Barbara Conrads Übersetzung, die dem Text seine Ecken und Kanten zurückgibt, seine Wiederholungen und karge Rhetorik, wie Schmid feststellt, sie erscheint dem Rezensenten alle Mühe wert, die der Übertragung und die der Lektüre.
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