Ulrike Thimme

Eine Bombe für die RAF

Das Leben und Sterben des Johannes Thimme, von seiner Mutter erzählt
Cover: Eine Bombe für die RAF
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406517129
Gebunden, 199 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Dieses Buch ist der Versuch von Ulrike Thimme, am Beispiel des eigenen Sohnes nachzuvollziehen und zu begreifen, was in den 70er Jahren viele junge Menschen in die politische Gewalt oder doch in ihren gefährlichen Umkreis führte. Sie zeichnet den Werdegang ihres Sohnes Johannes von seinen Kindertagen bis zu seinem Tod nach. Anhand von Briefen und Tagebuchaufzeichnungen rekonstruiert sie den beginnenden Prozess seiner Politisierung und schließlich seiner Radikalisierung. Nachdenklich, selbstkritisch, ohne Larmoyanz, ohne Schuldzuweisungen und stets auf der Grundlage ihrer eigenen strikten Ablehnung von Gewalt bilanziert sie das Verhältnis ihres Sohnes zu Staat, Gesellschaft und Justiz, aber auch zur eigenen Familie und zum politischen Umfeld der RAF, dem Johannes angehörte und in dem er umkam.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.01.2005

Ulrike Thimmes "Eine Bombe für die RAF erscheint Oliver Tolmein durchaus lesenswert. Er beschreibt das Buch als den Versuch einer Mutter, das Leben ihres Sohnes, der lange Jahre zum antiimperialistischen Widerstand gehörte und schließlich bei der vorzeitigen Detonation einer selbst gebauten Bombe starb, zu rekonstruieren. Tolmein würdigt das Buch als "behutsamem, kritischen Bericht", der trotz seines begrenzten zeitlichen und biografischen Ausschnitts viel mehr über die RAF und ihr Umfeld, über die Reaktionen der Öffentlichkeit und der Politik erzähle, als etwa Butz Peters in seinem 800-Seiten Wälzer "Tödlicher Irrtum - Die Geschichte der RAF". Eine alles auslotende Geschichtsschreibung biete aber auch Thimme. Darauf werde man noch einige Jahre warten müssen. "Ein Autor oder eine Autorin dafür ist noch nicht in Sicht", resümiert der Rezensent, "und auch wichtige Akten der späten Siebziger- und Achtzigerjahre sind noch nicht zugänglich".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Mit diesem Buch, so der Rezensent Lorenz Beckhardt, hat Ulrike Thimme weit mehr vollbracht, als ihrem Sohn ein "beeindruckendes Denkmal" zu setzen. Denn durch ihre Schilderung wird das Leben des RAF-Sympathisanten Johannes Thimme und sein Tod (er starb bei der Fehlzündung eines Sprengsatzes) zum anschaulichen Zeugnis einer Zeit und der "ganzen Tragik des damaligen bundesdeutschen Staates im Umgang mit einem Teil der Jugend". Johannes Thimme war zu insgesamt drei Jahren Haft verurteilt worden. Aus dieser Haftzeit stammt der Briefwechsel mit den Eltern, der "das Herzstück des Buches und ein Dokument des Realitätsverslusts der RAF und ihrer Anhänger" darstellt. Wirklich interessant und fast schon aufregend findet der Rezensent, wie sich die Mutter in der ständigen Auseinandersetzung mit ihrem mitunter wahnhaften Sohn "politisiert" hat, wie sie trotz seiner paranoiden Tendenzen in der Lage war, "das hohe intellektuelle Niveau seiner Gesellschaftskritik" zu erkennen. Mit diesem unverkopften Buch hat sie mehr geleistet "als viele historische Abhandlungen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.06.2004

Dieses Buch ist inmitten der großen Zahl von RAF-Biografien und Terrorismus-Texten einzigartig, stellt der Rezensent Rudolf Walther fest. Hier schreibt nämlich eine Mutter über ihren Sohn, der wenn nicht direkt zur RAF, dann doch in deren Umfeld gehörte. Wie aber der Staat mit grotesk übertriebenen Verdächtigungen und Urteilen den politisch gewiss radikalen, zunächst aber wohl gar nicht terroristisch gesinnten Johannes Thimme zu dem machte, was er ohne die staatliche Drangsalierung (und grotesk scharfe Urteile, die sich auf keinerlei Beweise von Straftaten stützen konnten) vielleicht gar nicht geworden wäre: das schildere dieses Buch der Mutter, die 1923 geboren wurde und pensionierte Gymnasiallehrerin ist, in ganz "beeindruckender" Weise. Achtzehn Jahre hat sie gebraucht nach dem Tod des Sohnes, der bei einem geplanten Anschlag von der eigenen Bombe zerfetzt wurde, um sich mit diesem Text über das Geschehen Rechenschaft zu geben. Außerordentlich "konsequent", so Walter, beschränkt sich Thimme dabei auf die Ich-Perspektive, berichtet nüchtern und ohne "Spekulationen". Der Rezensent ist stark beeindruckt.