Gudrun Ensslin gehörte zur Führungsspitze der RAF und war zugleich weit mehr: eine literarisch hochgebildete Person. Umfassend beschreibt die Autorin Ensslins geistige wie politische Entwicklung und zeigt, wie aus dem intellektuellen Bürgertum des Nachkriegsdeutschlands gewaltbereite Radikalisierung möglich war.
Im Mittelpunkt dieser Biografie steht eine extreme Person und ihr extremer Lebensweg. Ingeborg Gleichauf räumt mit den gängigen Klischees und Vorurteilen auf, die Gudrun Ensslin als Produkt eines provinziellen Pastorenhaushalts sehen. Sichtbar wird vielmehr eine vielseitig begabte Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Souverän schildert die Autorin die Zeitumstände, die die Entwicklung einer Gewaltbereitschaft begünstigt haben. Die Autorin zeichnet alle Lebensstationen nach und widmet sich ausführlich den bisher vernachlässigten Kindheits- und Jugendjahren Ensslins. In einer besonderen Verbindung von Erzählung und Analyse gelingt es ihr, uns eine ebenso schwierige wie vielschichtige Person nahezubringen, die unsere Gesellschaft radikal verändern wollte.
Zumindest erkennt Rezensent Eckhard Fuhr die Mühe, die sich Ingeborg Gleichauf bei ihrem Versuch gemacht hat, ein Bild Gudrun Ensslins jenseits aller plakativen Zuschreibungen zu zeichnen. Damit hat es sich aber leider auch schon: Schon den Titel des Buches findet der Kritiker in seiner Revolutionsromantik verklärend, wenngleich er betont, dass dies der Autorin nicht bewusst gewesen sein dürfte. Dass sich in Gleichaufs Biografie bei aller sorgfältigen Recherche bisweilen völlig "sinnfreie" Passagen einschleichen, findet Fuhr störend. Vor allem aber nervt ihn der Tonfall "feministischen Kitschs", in dem die Autorin versucht, Ensslin zur "Frauengestalt" hochzuschreiben. Das Innerste der Terroristen-Ikone will sich dem Kritiker auch in dieser Biografie nicht erschließen; weshalb Ensslin ihre Familie für Andreas Baader verließ, bleibt ihm auch nach der Lektüre ein Rätsel.
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