Herausgegeben von Ralf Konersmann. Eine kleine Anthologie kulturkritischer Schriften von Rousseau, Goethe und Schiller über Nietzsche, Simmel und Benjamin zu Horkheimer, Barthes und Gustav Seibt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2001
Die Kulturkritik hat einen schlechten Ruf, ihr sagt man nach, sie sei altväterlich, nostalgisch, rückwärtsgewandt, modernitätsfeindlich und pessimistisch, greift Ludger Heidbrink die Reflexionen des Herausgebers des Sammelbandes mit Texten von Rousseau, Schiller, Nietzsche, Simmel, Benjamin, Cassirer und Horkheimer, Ralf Konersmann, auf. Der Rezensent scheint mit den Annahmen von Konersmann einverstanden zu sein, dass die Kulturkritik weniger normativ als vielmehr eine deskriptive Kritik an der Kultur sei. Denn durch alle Epochen hätten, so Heidbrink, Schriftsteller und Philosophen der jeweiligen zeitlichen Strömung entsprechend Kultur der Natur, den Ursprung des Lebens und das Leitbild einer vernünftigen Gesellschaft gegenübergestellt. Kulturkritik bleibe zwar ein paradoxes Unterfangen, hätte aber zu jeder Zeit auch die Gewinne und Verluste von Kultur bilanziert, gibt der Rezensent zu Bedenken.
Viel hat Franz Schuh ja nicht zu sagen zu diesem Band. Erst empfiehlt er uns - wegen "einer Abrechnung mit Roland Barthes", die ihm selbst fragwürdig erscheint - Dieter Prokops "Der Kampf um die Medien", dann reicht ihm ein Wort - "ausgezeichnet" -, um die Einleitung des Buches von Könersmann und dessen Textauswahl (von Barthes bis Simmel) zu kommentieren. Ein Studienbuch nennt Schuh das Ganze - bleibt zu hoffen, dass der Leser darin auch mehr erfährt zum Thema "Kritik an der Kulturkritik" und "weiße" und "schwarze" Kulturkritik. Mehr als in dieser Kritik wenigstens.
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