Die Gesamtausgabe wird herausgegeben von Ottheim Rammstedt. Herausgeber des Bandes sind Rüdiger Kramme und Angela Rammstedt. Der Band enthält die berühmten Arbeiten zu Goethe, Rodin und Nietzsche, die Studien zur Geschlechterfrage, zur Kunstphilosophie und zur Religion und reicht bis hin zu den meisterlichen Essays "Brücke und Tür", "Das Abenteuer" oder "Die Landschaft". Sie bilden den Übergang zu den lebensphilosophischen Überlegungen des späten Simmel, die hier schon mit "Zur Metaphysik des Todes" und "Das individuelle Gesetz" anklingen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2001
Unter all den wiederveröffentlichten Aufsätzen des Philosophen hat ein Essay über die "Soziologie der Mahlzeit" den Rezensenten Alexander Kissler am stärksten berührt. Er liest ihn wie ein Zeitbild, in dem der "aufgeklärte Traditionalist" und "melancholische Ästhet" Georg Simmel die Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg, ihren Drang zum Höheren bei gleichzeitig "hochgradig konventionalisierter" Kultur zu bannen scheint. Ein Abenteurer, der - nach Simmel - "in einer unsäglich beunruhigenden Situation" lebt, bleibt der Mensch in diesen Essays dennoch. Kissler zeichnet nach, wie Simmel in einem Aufsatz über das Geschlechterverhältnis allein bei den Frauen zuweilen einen Zustand der "Eingesenktheit in das eigene Sein" erreicht sieht, der ihn über die "Preisgegebenheit an undurchdringliche Mächte" zu trösten schien. Über Kommentare und Aufbereitung der Simmelschen Essays durch die Herausgeber der Gesamtausgabe lässt uns Kissler leider nichts Näheres wissen.
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