Marcus Tullius Cicero ist eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der späten römischen Republik. Dem Ritterstand angehörend, gelang ihm der Aufstieg in die senatorische Laufbahn mit dem Konsulat als krönendem Abschluss. Als typischer homo novus verkörperte er wie kaum ein anderer die Ideale der altrömischen Tugenden und geriet gerade deswegen in den Strudel der untergehenden republikanischen Ordnung. Den römischen Staat sah er gefährdet durch sozialrevolutionäre Politiker wie Catilina und wurde damit automatisch zum Gegenspieler Caesars. Als dieser ermordet wurde, jubelte er und ahnte zu spät, dass er wieder auf der falschen Seite stand: Im Bürgerkrieg gegen die Caesarmörder wurde er eines der ersten Opfer der Proskriptionen. Die tragische Verwicklung Ciceros in die historischen Auseinandersetzungen seiner Zeit steht im Mittelpunkt der neuen Biografie von Klaus Bringmann. Dabei geht er auch auf das umfangreiche literarische Werk ein, das die politischen Ideen, aber auch die privaten Eindrücke und Gedanken Ciceros widerspiegelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2010
Althistoriker Uwe Walter rezensiert Klaus Bringmanns Cicero-Biografie und entdeckt darin eine im ruhigen Erzählfluss daherkommende, sachkundige Darstellung mit manch erhellendem Detail. Mitunter orientiert sich der emeritierte Altphilologe und Historiker vielleicht ein wenig zu sehr an Ciceros "Egozentrik" und interpretiert so politische Prozesse manchmal zu einseitig auf der persönlichen Ebene, meint der Rezensent. Auch findet er, dass Bringmann in seiner Wahl von Vokabeln wie "Machtergreifung", "Prekariat" oder "Schlüsselqualifikation" eine Nähe zur jüngeren Geschichte suggeriert, die nicht ganz angemessen ist. Dafür aber überrascht der Autor mit einer "Pointe", freut sich Walter. Bringmann weiche nämlich von der gängigen Charakterisierung Ciceros als brillantem Redner, gescheitertem Politiker und unterschätztem Philosoph ab, indem er eine derart strikte Trennung von "Politiker und Geistesmenschen" ablehnt. In den Augen des Autors erscheint der römische Konsul als gänzlich von seinen Vorstellungen eines idealen Staates und seiner Rolle darin geprägt und wird mit seiner "Kohärenzfixierung" von Ideal und Wirklichkeit zum Außenseiter, so der Rezensent interessiert.
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