Klaus Böldl

Die fernen Inseln

Cover: Die fernen Inseln
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783100076205
Gebunden, 158 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

In einer Zeit, in der die Orte immer austauschbarer werden, sie immer mehr ihre Authentizität verlieren, in der die Welt immer kleiner zu werden scheint, reist Klaus Böldl an den Rand der Welt, nach Island und auf die Färöer. Er entdeckt dort ein Land, an das man sich so nur noch in der Literatur erinnern konnte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003

Klaus Böldl, Skandinavist, Übersetzer altnordischer Literatur und selbst Prosaautor, bewegt sich in Regionen Europas, wo es die wenigsten von uns im Urlaub hinzieht: im äußersten Norden, auf den Faröerinseln und auf Island. Macht nichts, freut sich Kristina Maidt-Zinke, denn diesen Reisebericht könne man ebenso gut in Bayern oder in der Provence lesen, da Böldl einen "Sehnsuchtsort" vor das innere Auge rufe, der mit einer gewaltigen Sprachmagie seine Landschaft ausbreite. Anders als in seinen vorhergegangenen Büchern, schwärmt die Rezensentin, hat Böldl nun zu seiner wahren Form gefunden: befreit vom Ballast des Fiktionalen könne er sich ganz der Beobachtung, Beschreibung und Reflexion des Beobachteten hingeben. Natürlich verführt die gewaltige Landschaft des Nordens dazu, die Bilder mit Bedeutung aufzuladen, gesteht Maidt-Zinke, doch erweise Böldl seine Kunst gerade darin, dass er auch einen Blick für das Kleine, Unscheinbare habe, die Spuren der Zivilisation in seine Wahrnehmung mit einbeziehe. Sie wäre geneigt, vervollständigt Maidt-Zinke ihre Lob, diesem Autor, dessen Kosmos keinesfalls am Nordatlantik ende, überallhin zu folgen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2003

Der mit "kos" zeichnende Rezensent ist nicht sonderlich begeistert, was diesen Band Klaus Böldls über die Färöer-Inseln angeht. "Trockene Beflissenheit" bescheinigt der Rezensent dem Autor in einer knappen Notiz. Die Naturschilderungen lassen ihn allein auf Ödnis schließen, und um auf seine 150 Seiten zu kommen, habe der Autor sein Buch mit nordischer Mythologie aufgestockt, doch könne dies nur für "Nordlichter mit Neigung zum Einsilbigen" eine vergnügliche Lektüre werden - für alle anderen leider nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2003

Die Romane des Autors, "Studie in Kristallbildung" und "Südlich von Abisko", scheinen die Rezensentin Dorothea Dieckmann nicht vollauf überzeugt zu haben, jedenfalls zitiert sie Kritiken, die dem Autor "bloßen Kunstvorsatz'" vorwarfen. Auch für dieses Buch begibt sich Böldl wieder in den hohen Norden, nämlich nach Island und auf die Färöer Inseln, aber diesmal verzichtet er auf Fiktion - und findet die begeisterte Zustimmung der Rezensentin. Ihr gefällt Böldls nüchterner Sprachduktus, sein Tasten nach den am genausten beschreibenden Adjektiven, sein Verzicht auf ein "Feuerwerk von Eindrücken" und essayistische Brillanz. "Erzählen und Beschreiben gemächlich verschränkt", komme der Band mit seinen Reisebeschreibungen daher: Je zwei Kapitel widme er den kleinen und der großen Insel und verzaubert die Rezensentin mit der "kühlen Vermessungstechnik" seiner Prosa und ihrer "altväterlichen Sprachreife".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.04.2003

Schon in seinen zwei vorhergehenden Büchern hatte Klaus Böldl den hohen Norden zum Schauplatz seiner Erzählungen gemacht, erinnert Dirk Fuhrig, und schon damals seien die Handlungselemente knapp bemessen gewesen, behauptet er. Im jüngsten Buch spielten Island und die Faröer-Inseln die Hauptrolle, und diesmal sei der Autor ganz und gar zum Natur- und Landschaftsbeschreiber geworden, der auf jede Andeutung äußerer Lebensumstände des naturkundlich reisenden Ich-Erzählers verzichte, erklärt Fuhrig. Dieser ergänze vielmehr seine landschaftlichen Beobachtungen durch historische Exkurse oder Geschichten aus der nordischen Sagenwelt. Eine anstrengende Lektüre, gibt Fuhrig zu. Erst beim zweiten Mal hätten sich Teile des Buches erschlossen. Deshalb ist der Rezensent zu dem Entschluss gekommen, das Buch wie ein Gemälde zu behandeln: es sollte oftmals betrachtet werden. Nicht umsonst ziehe sich Cézanne wie ein Leitmotiv durch das ganze Buch, meint Fuhrig, der es als "synästhetisches Farb-Geräusch-Text-Kunstwerk" zu betrachten gewillt ist.