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Sjon

Der Junge, den es nicht gab

Roman
Cover: Der Junge, den es nicht gab
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2015
ISBN 9783100022394
Gebunden, 160 Seiten, 17,99 EUR

Klappentext

Aus dem Isländischen von Betty Wahl. Island 1918: Die Spanische Grippe versehrt das Land, Vulkan Katla verdunkelt den Himmel und Island erhält endlich seine Unabhängigkeit. Zeiten des Aufruhrs und Aufbruchs. Mittendrin Máni Steinn: ohne Eltern, ohne Arbeit und zu allem Übel kann er weder lesen noch schreiben. Schlechte Voraussetzungen für einen jungen Mann in dieser Zeit. Aber Máni liebt das Kino und findet Rettung bei den Stummfilmen - und bei der schönen Sóla. Auf ihrem Motorrad entführt sie ihn aus der Dunkelheit und zeigt ihm, dass sich der Kampf lohnt, wenn man sich treu bleibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2015

An Sjóns neuestem Roman gefällt Björn Hayer besonders, dass der Autor sich in seiner Geschichte um einen homosexuellen Filmliebhaber im Reykjavík des Jahres 1918 für mehr interessiert als nur das Sichtbare - im Plot wie auf den Leinwänden. Der Rezensent schwingt sich selbst zu einem fast transzendenten, sphärischen Stil auf, um der symbolischen Kraft und dem Subtext des Buches und dessen Gedanken über die verschiedenen Ausdrucksformen von Kunst zu huldigen. Sjóns Fokus liege auf den "Übergangsräumen, dem Jenseits von Sprache und Film", was sein Werk zu einem "Plädoyer für eine existenzielle Virtuosität" mache. Der Autor erzähle dabei leichtfüßig, mit hohem Tempo und durchaus auch Sentiment, so der Kritiker, ohne allerdings ins Kitschige abzudriften.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2015

Kaum zu glauben, was der isländische Autor Sjon laut Katharina Teutsch auf gerade mal 150 Seiten vollbringt. In klarer, reduzierter Bildsprache, schreibt sie, erzählt er die Geschichte eines Ortlosen, eines jungen Isländers, der als Kinojunkie und Stricher im Rykjavik anno 1918 Grenzen überschreitet. Für Teutsch auch eine expressionistische, leitmotivisch geführte Miniatur über die Befreiung zum Künstler, in der Historisches Platz hat sowie die "emanzipatorischen Fragen" jener Zeit.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.04.2015

Herrlich unfertig wirkt der neue Roman von Sjon auf Dana Buchzik. Herrlich, weil sie in den gerade mal 150 Seiten des Romans Material für einige weitere Bücher entdeckt oder für ein viel dickeres eben. Zwar hat Buchzik an den erzählerischen Fähigkeiten des Autors keinen Zweifel, doch gibt er davon leider höchstens kleine Proben am Ende des Textes, wenn er soziale Missstände darstellt. Zuvor aber hat der Autor die Rezensentin zu redundant mit den Auswirkungen der spanischen Grippe in Island und speziell mit dem Leben und seines Helden, eines 16-jährigen cinephilen Analphabeten, auf die Folter gespannt und selbst in blut- und schleimgetränktem Horror geschwelgt, ohne Buchzik einen roten Faden durch die Geschichte oder auch nur präzise Figurenzeichnung zu gönnen.