Noatun

Guggolz Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783945370520
Gebunden, 380 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Dänischen von Inga Meincke und Verena Stössinger. "Noatun", 1938 veröffentlicht, ist färöisch durch und durch: Fischfang, Ackerbau und Schafzucht bestimmen die Tage - Regen, Schnee, Steinschläge und Wellengang prägen wie der Rhythmus der Jahreszeiten den Lauf der Dinge. Eine zusammengewürfelte Gruppe von eigensinnigen Menschen, denen im ärmlichen Kleinstadtleben und den dortigen besseren Kreisen keine Zukunft beschieden ist, beschließt, sich in einem verrufenen Tal niederzulassen und die Siedlung "Noatun" zu gründen. Ein Schiffsunglück hat die Bucht mit einem Schatten belegt, doch die Siedler lassen sich davon nicht abschrecken. Ihr Drang nach einem freien, wenn auch harten, einem selbstbestimmten, wenn auch unsicheren Leben ist stärker als alle Rückschläge und die Sorge vor dem Scheitern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2025
Eine gelungene Neuübersetzung eines Klassikers der färöischen Literatur liegt hier vor, freut sich Rezensent Stephan Opitz. William Heinesen im Original auf Dänisch verfasstes Buch stellt eine Gruppe von Menschen ins Zentrum, die in einer abgelegenen Gegend der Inselgruppe siedeln. Es handelt sich um Außenseiter, die anderswo nicht zurecht gekommen sind. Heinesen interessiere sich weniger für den einen Held, sondern für das Kollektiv - dass keine der Figuren herausragt, lässt interessante Figurenentwicklungen zu, vor allem die Emanzipation von Frauen in der Gruppe, erklärt der Kritiker. Die Gruppe ist in einer Art Vormoderne gefangen, zwar befinden wir uns bereits im 20. Jahrhundert, aber die Gemeinschaft des Romans lebt ganz ohne dessen technische Errungenschaften vom Walfang. Das eigentlich Thema ist die "mythische Gewalt" der Natur gegen die sich die hier geschilderten menschlichen Schicksale fast unbedeutend ausnehmen, so Opitz. Erst ganz am Ende weist ein Leuchtturmbau in Richtung Zukunft. Insgesamt eine runde Sache, diese Veröffentlichung, als besonders gelungen hebt Opitz Klaus Müller-Willes Nachwort hervor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2025
Interessante Einblicke in die Welt der Färöer ermöglicht dieser Roman William Heinesens laut Rezensent Aldo Keel. 1938 erstmals erschienen, orientiert er sich Keel zufolge an dänischen Kollektivromanen, die Gemeinschaft, um die es in diesem Fall geht, lässt sich in einem besonders abgelegenen Teil der Inselgruppe nieder, an einem "sonnenlosen Ort mit ewiger Brandung und Bergstürzen". Die Handlung spielt zwar in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Menschen, um die es geht, sind jedoch noch nicht wirklich in der Moderne angekommen, selbst Schreibmaschinen wirken hier wie Fremdkörper ("eine kleine Puppenorgel"). Keel lobt neben den Schilderungen dieser archaischen Welt außerdem die Aufmachung sowie den hilfreichen Kommentarapparat dieser Neuauflage.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 21.08.2025
Rezensent Ulrich Rüdenauer freut sich, William Heinesens Roman über "Noatun", ein unwegsames Inselstück der Färöer-Inseln, nach über 80 Jahren auf Deutsch wiederentdecken zu können. Die rauen Naturgewalten spielen eine wichtige Rolle in dieser fast archaischen Welt, erfahren wir, einen Protagonisten gibt es nicht, viele der kauzigen, aber in diesen Zusammenhängen doch hilfsbereiten Siedler werden gleichwertig vorgestellt. An den biblischen Noah kann Rüdenauer dabei ebenso denken wie an Bücher von Laxness oder Hamsun, ihn überzeugt hier vor allem die Vielschichtigkeit, mit der Heinesen leise und vorsichtig vom entbehrungsreichen Leben auf einer unwirtlichen Insel erzählt.