"Zeit der Zäune" erzählt von Orten der Flucht, zu denen Katja Riemann reiste. Wo sind diese Orte und wie leben Menschen im Interim? Sie geht der Frage nach, ob Menschen in den Camps, im Warten, in der Ungewissheit erfinderisch sind und gestaltend. Und begegnete erstaunlichen Personen und Situationen. Sie erzählt von Geflüchtetenlagern auf Lesbos und in Jordanien, erzählt, was in Calais passierte, nachdem der Dschungel zerstört wurde, besucht die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, begleitet Ärzte durch die Nacht an der bosnisch-kroatischen Grenze und Traumatologen in die nordirakischen Camps der Jesiden. Auch in McLeod Ganj in Nordindien ist sie gewesen, weil sie findet, dass dort der berühmteste 'Flüchtling' lebt - der Dalai Lama.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.04.2024
In den höchsten Tönen schwärmt Arno Widmann von diesem Buch der Schauspielerin Katja Riemann, die er hier auch als große Schriftstellerin schätzen lernt. Aber Riemann brilliert nicht nur sprachlich, versichert der Kritiker. Vor allem motiviert, ermutigt sie zum Handeln, wenn sie hier mit viel Mitgefühl und "klarem Verstand" von den "Schmerzpunkten der Welt" berichtet, fährt Widmann fort. Die Autorin hat in den vergangenen Jahren Flüchtlingscamps besucht, mit Bewohnern, NGO-Mitarbeitern und Forschern gesprochen und macht hier auf die unmenschlichen Zustände, aber auch den Mut und Überlebenswillen der dort lebenden Menschen aufmerksam: So liest der Rezensent von Moscheen und Schulen, die von den Geflüchteten in den Lagern gebaut werden, oder von deren Drang, Sprachen oder Kunst zu lernen. Zugleich skizziert Riemann, wie die titelgebenden Zäune auch in den Lagern selbst existieren: Hier treffen Menschen aus verschiedenen Weltgegenden, Klassen und Milieus aufeinander, die sich nicht selten untereinander abgrenzen. Riemann, die allein aufgebrochen ist, um die Camps aufzusuchen, zwingt uns mit ihrem so klugen, wie fakten- und einsichtsreichen Buch hinzuschauen, schließt der Kritiker, der das Buch dringend empfiehlt.
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