Mit der Europäischen Grenz- und Küstenwachagentur Frontex hat die Europäische Union erstmalig eine uniformierte und bewaffnete Polizeieinheit geschaffen. Bernd Kasparek legt eine detaillierte Analyse der Entstehung und Entwicklung der Agentur vor. Durch eine Genealogie der europäischen Grenze und eine ethnographische Rekonstruktion der Krise Schengens untersucht er das lange Projekt der Europäisierung des Grenzschutzes. Im Zentrum steht die Analyse sich wandelnder Rationalitäten, die sich in politischen und technischen Programmatiken niederschlagen. Dabei wird deutlich, dass das Regieren der Grenze und der Migration gleichzeitig die Frage nach dem Regieren Europas bedeutet
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2022
Von Seite zu Seite mit wachsendem Interesse scheint Rezensentin Jenny Hestermann diese Studie gelesen zu haben. Bernd Kasparek zeichnet darin aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch mit dem Erfahrungswissen des Aktivisten nach, wie sich der Schutz des europäischen Außengrenze in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelte. Natürlich beschreibt er zunächst, wie die Bedeutung der Außengrenze mit dem Fallen der Grenzen im Inneren zunahm und immer mehr Befugnisse an die Agentur Frontex übergingen. Spannender wird es für Hestermann, wenn Kasparek beschreibt, wie die Delegierung einer durch und durch nationalstaatlichen Aufgabe an eine supranationale Agentur scheinbar entpolitisiert und in den Bereich einer vermeintlich wertfreien, technologischen Regulierung verscoben wurde. Dass Kasparek dabei mit Foucault argumentiert, um die Außengrenze als Ort zu begreifen, der Wissen und Kontrolle schafft, erscheint Hestermann zwar ein bisschen fordernd, aber sinnvoll.
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