Katharina Geiser

Vorübergehend Wien

Cover: Vorübergehend Wien
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2006
ISBN 9783552053663
Gebunden, 304 Seiten, 23,50 EUR

Klappentext

Im dritten Stock des Jüdischen Museums in Wien steht in einem gläsernen Schaukasten eine Schachtel, gefüllt mit Devotionalien der Erinnerung: Spielsachen, Notizen, Fotos, Filmprogramme, Postkarten, ein Tagebuch... Das jüdische Ehepaar Franz und Anni Bial hatte diese Schachtel für die Tochter Lilli gepackt, die mit einem Kindertransport nach England kam; die Eltern wurden deportiert und ermordet. Wie ein Magnet zieht diese Hinterlassenschaft die Schweizerin Jula Fink nach Wien, auf die Spuren anderer Verschwundener, von deren Schicksalen ebenfalls bloß Bruchstücke geblieben sind. Sie stößt auf Namen wie Friedl Dicker-Brandeis, Viktor Ullmann, Sidonie Nadherný und Karl Kraus, Marie Zimmermann und Gustav Klimt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2006

Was für eine Art von Buch Katharina Geiser geschrieben habe, sei nicht einfach zu sagen, wohl aber, dass es auf wunderbare Weise gelungen sei, lobt Rezensent Martin Zingg. Wenn auch kein Reiseführer, so sei der Band doch ein Führer durch das vergangene Wien der modernen Künstler wie Arnold Schönberg oder Peter Altenberg. Neben dieser bekannten Seite der Stadt interessiere sich die Autorin aber auch für deren "Nachtseite" und Unbekannte wie etwa jene Wiener Juden, deren Leben sich 1938 für immer veränderte. Das Besondere an Katharina Geisers Darstellung sieht der Rezensent in ihrer mutigen Weise, wie sie historische Fakten durch Phantasie ergänze und fortschreibe. Viel gewagt, resümiert der Rezensent, und dank einer "dichten" Sprache alles gewonnen

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2006

Hart ins Gericht geht Klaus Nüchtern mit Katharina Geisers Buch "Vorübergehend Wien", das an Menschen erinnern will, die der Vernichtung durch die Nazis zum Opfer fielen oder knapp entkamen. Zwar scheint ihm das Vorhaben der Schweizer Germanistin gut gemeint, die Ausführung aber wird ihm in keiner Weise gerecht. Nüchtern stört sich nicht nur sich am "betulich-preziösen Ton" Geisers beziehungsweise ihrer wienreisenden Ich-Erzählerlin, der der Realität, die sie beschreiben will, "grausam inadäquat" ist. Er hält der Autorin ihr Scheitern am Thema vor. Die gefühligen Ausführungen ihrer Protagonistin findet er angesichts der Deportation von Tausenden von Menschen in die Vernichtungslager von Auschwitz, Theresienstad und Minsk schlicht "geschmacklos und peinlich".
Stichwörter

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…