Im dritten Stock des Jüdischen Museums in Wien steht in einem gläsernen Schaukasten eine Schachtel, gefüllt mit Devotionalien der Erinnerung: Spielsachen, Notizen, Fotos, Filmprogramme, Postkarten, ein Tagebuch... Das jüdische Ehepaar Franz und Anni Bial hatte diese Schachtel für die Tochter Lilli gepackt, die mit einem Kindertransport nach England kam; die Eltern wurden deportiert und ermordet. Wie ein Magnet zieht diese Hinterlassenschaft die Schweizerin Jula Fink nach Wien, auf die Spuren anderer Verschwundener, von deren Schicksalen ebenfalls bloß Bruchstücke geblieben sind. Sie stößt auf Namen wie Friedl Dicker-Brandeis, Viktor Ullmann, Sidonie Nadherný und Karl Kraus, Marie Zimmermann und Gustav Klimt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2006
Was für eine Art von Buch Katharina Geiser geschrieben habe, sei nicht einfach zu sagen, wohl aber, dass es auf wunderbare Weise gelungen sei, lobt Rezensent Martin Zingg. Wenn auch kein Reiseführer, so sei der Band doch ein Führer durch das vergangene Wien der modernen Künstler wie Arnold Schönberg oder Peter Altenberg. Neben dieser bekannten Seite der Stadt interessiere sich die Autorin aber auch für deren "Nachtseite" und Unbekannte wie etwa jene Wiener Juden, deren Leben sich 1938 für immer veränderte. Das Besondere an Katharina Geisers Darstellung sieht der Rezensent in ihrer mutigen Weise, wie sie historische Fakten durch Phantasie ergänze und fortschreibe. Viel gewagt, resümiert der Rezensent, und dank einer "dichten" Sprache alles gewonnen
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.05.2006
Hart ins Gericht geht Klaus Nüchtern mit Katharina Geisers Buch "Vorübergehend Wien", das an Menschen erinnern will, die der Vernichtung durch die Nazis zum Opfer fielen oder knapp entkamen. Zwar scheint ihm das Vorhaben der Schweizer Germanistin gut gemeint, die Ausführung aber wird ihm in keiner Weise gerecht. Nüchtern stört sich nicht nur sich am "betulich-preziösen Ton" Geisers beziehungsweise ihrer wienreisenden Ich-Erzählerlin, der der Realität, die sie beschreiben will, "grausam inadäquat" ist. Er hält der Autorin ihr Scheitern am Thema vor. Die gefühligen Ausführungen ihrer Protagonistin findet er angesichts der Deportation von Tausenden von Menschen in die Vernichtungslager von Auschwitz, Theresienstad und Minsk schlicht "geschmacklos und peinlich".
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